Peter Maffay: „Ich war blind, taub und dumm“ – Das dunkle Geheimnis hinter fünf Ehen, schwerem Alkoholismus und dem tragischen Tod seiner Mutter

Auf einer sonnigen Finca im mallorquinischen Pollença steht bis heute eine unscheinbare Urne. Direkt daneben befindet sich ein in die Jahre gekommenes Foto: Eine glückliche Frau, ein Mann und ein kleiner Junge vor einem festlich geschmückten Weihnachtsbaum. Der Junge hält ein rotes Feuerwehrauto aus Blech in den Händen, bei dem man sogar die kleine Drehleiter detailgetreu ausfahren konnte. Peter Maffay hat dieses historische Foto nun schon seit über sechzig Jahren sorgsam aufbewahrt. Es steht unbeirrt auf dem kleinen Beistelltisch, genau neben seinem massiven Schreibtisch, an dem er arbeitet und sinniert. Die Frau auf diesem alten Bild ist seine geliebte Mutter Augustine. Sie nahm sich im Jahr 1991 im Alter von 63 Jahren auf tragische Weise das Leben. Ihr eigener Sohn war zu diesem exakten Zeitpunkt der mit Abstand erfolgreichste und populärste Musiker in ganz Deutschland. Mehr als 50 Millionen verkaufte Tonträger, 21 unangefochtene Nummer-1-Alben – eine Rekordmarke, die bis heute von keinem anderen heimischen Künstler gebrochen wurde. Jede seiner großen Tourneen füllte mühelos die größten Hallen des Landes. Doch hinter dieser makellosen Fassade des unaufhaltsamen Erfolgs klafften tiefe Abgründe: Fünf Ehen scheiterten spektakulär, der Alkohol beherrschte sein Leben über viele Jahre hinweg mit eiserner Faust, und jene Frau, die einst alles für seine Zukunft aufgab, konnte er am Ende nicht vor ihrem inneren Verfall retten. Was trieb Peter Maffay sein gesamtes langes Leben lang eigentlich an, und vor was genau lief er im Grunde immerfort davon? Um diese komplexen Fragen zu verstehen, muss man weit in der Vergangenheit zurückreisen, tief hinein in das siebenbürgische Kronstadt.

Dort, in einer bescheidenen Wohnung, verbrachte der kleine Peter seine ersten Lebensjahre, in einer politisch angespannten Zeit, in der man seine ehrliche Meinung längst nur noch hinter streng verschlossenen Türen äußern durfte. Sehr oft parkten damals dunkle, bedrohliche schwarze Limousinen direkt vor dem Haus der Familie in Kronstadt. Der gefürchtete Geheimdienst Securitate überwachte seinen Vater Wilhelm argwöhnisch, da dieser im Zweiten Weltkrieg als Pilot für die Luftwaffe geflogen war. Die Staatsmacht hielt ihn zu Unrecht für einen gefährlichen Spion. Wilhelm wurde in jenen Jahren mehrmals verhaftet, tagelang festgehalten, brutalen Verhören ausgesetzt und, wie er Jahrzehnte später unter Tränen gestand, sogar gefoltert. Wenn der Vater wieder einmal spurlos verschwunden war, sagte Augustine ihrem kleinen Sohn jedes Mal exakt denselben tröstenden Satz: „Er ist nur verreist.“ Der kleine Peter beobachtete die unheimlichen schwarzen Wagen vom Fenster aus und stellte bang die Frage: „Wird der Tati wieder geholt?“ Doch niemand antwortete ihm je darauf. Erst viele Jahrzehnte später erfuhr er die schmerzhafte Wahrheit; seine Eltern hatten ihm all diese dramatischen Grausamkeiten bewusst verschwiegen, damit er in einer feindseligen Welt unbeschwert aufwachsen konnte. Augustine trug diese unerträgliche Last völlig allein auf ihren Schultern, so wie sie es ihr Leben lang gewohnt war.

Zu Weihnachten im Jahr 1956 schenkte Peters Großmotive Amalie dem damals siebenjährigen Jungen eine kleine Geige. Es war ein schlichtes, keineswegs teures Instrument, doch es sollte das gesamte Schicksal der Familie für immer verändern. Augustine legte absoluten Wert darauf, dass ihr Sohn fortan regelmäßigen Geigenunterricht erhielt – volle sieben Jahre lang, bis zur ersehnten Ausreise. Was damals niemand ahnen konnte: Die liebevolle Großmutter, die ihm dieses Instrument schenkte, war exakt dieselbe Person, die Augustine bald unter Tränen in Rumänien zurücklassen musste. Jahrelang hatte die Familie vergeblich offizielle Ausreiseanträge gestellt, die jedoch immer wieder stur abgelehnt wurden. Um das Überleben zu sichern, arbeitete Wilhelm in einer Büchsenmacherei und reinigte dort heimlich die Jagdgewehre hochrangiger kommunistischer Funktionäre, darunter auch die Waffen des damaligen Ministerpräsidenten Maurer. Durch diese gefährliche Verbindung ergab sich schließlich die winzige Chance auf Freiheit. Am 23. August 1963 durfte die Familie das Land endlich verlassen. Auf dem heißen Rollfeld in Bukarest stand der 14-jährige Peter, übermüdet und nervös, und redete zu laut. Sein Vater drehte sich in Sekundenschnelle um und verpasste ihm eine harte Ohrfeige – direkt vor den strengen Augen der Grenzbeamten und der wartenden Passagiere. Augustine verlor kein einziges Wort. Sie stieg schweigend in das Flugzeug, in ihrer Rechten nur einen einzigen Koffer. Hinter sich ließ sie ihre schwer kranke Mutter in Rumänien – dieselbe Frau, die dem Enkel einst die Geige geschenkt hatte. Sie sollte sie nie wieder lebend wiedersehen. Augustine ging diesen harten Schritt einzig und allein dafür, dass ihr Sohn eine gesicherte Zukunft haben konnte.

Das eigentliche Ziel der geflüchteten Familie war ursprünglich Amerika gewesen, wo Wilhelms Vater Egon bereits lebte. Doch stattdessen landete die Familie im oberbayerischen Waldkreiburg. Der Koffer, den sie bei sich trugen, würde heute an jedem Flughafen problemlos als einfaches Handgepäck durchgehen. In der neuen deutschen Schule hörte Peter zum ersten Mal das verletzende Wort „Rucksackdeutscher“. Sie waren aus Rumänien geflohen, um absolute Freiheit zu erlangen, und fühlten sich in Deutschland zunächst wie fremde Aussätzige. Peter sprach kaum richtig Deutsch, blieb in der Schule gleich zweimal sitzen und brach schließlich das Gymnasium ab. Er trug stets ein verrostetes Messer bei sich – eine unglückliche Angewohnheit, wie er später sagte, die er aus den rauen Verhältnissen in Rumänien mitgeschleppt hatte. Dann trat glücklicherweise die Musik in sein Leben. Aus der Geige wurde rasch eine laute Gitarre, aus den kleinen Jugendclubs in Waldkreiburg wurde München, und aus München schließlich der größte deutschsprachige Radiohit des Jahres 1970: „Du“. Peter Maffay war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 21 Jahre alt. Im Jahr 1975 trat er zum ersten Mal vor den Traualtar und heiratete die Lehrerin Petra Küfner. Ein großes Anwesen mit Pool nahe München schien das Glück zu perfektionieren, doch bereits vier Jahre später war diese erste Ehe unwiderruflich vorbei. Gemeinsame Fotos aus dieser ungestümen Ära existieren kaum. Und Augustine? Sie lebte mittlerweile ebenfalls in Bayern, doch ihr Kopf und ihr Herz verblieben in Rumänien, bei ihrer eigenen betagten Mutter, die sie einst zurückgelassen hatte. Ihr Sohn wurde im Eiltempo berühmt, füllte die Hallen – doch für seine eigene Mutter schien er im alltäglichen Trubel schlicht keine nennenswerte Zeit zu haben. Das war im Jahr 1979, Maffay war 30 Jahre alt. Es sollte bei weitem nicht seine letzte schmerzhafte Scheidung bleiben.

Nach nur vier Jahren Ehe herrschte plötzliche Stille. Keine klärenden Worte, keine öffentlichen Erklärungen. Nur zwei Jahre später schritt er erneut zum Standesamt. Seine zweite Frau hieß Chris Heinze, ebenfalls als Lehrerin tätig. Gemeinsam bezogen sie ein idyllisches Anwesen am malerischen Starnberger See. Im Jahr 1985 adoptierten sie ein erst 14 Monate altes Mädchen, das sie liebevoll Nina nannten. Doch schon ein weiteres Jahr später war auch diese Ehe endgültig geschieden. Peter Maffay hatte im Eiltempo eine Tochter bekommen und im selben Atemzug exakt die familiäre Struktur verloren, die er ihr eigentlich hätte bieten wollen. Nina wuchs fortan bei ihrer Mutter auf. Trotz der bitteren Scheidung sei es ihm stets ein großes Anliegen gewesen, für seine Tochter da zu sein, betonte er Jahre später in seltenen Interviews. Ob ihm das im stressigen Tourneealltag tatsächlich gelang, darüber schwieg er beharrlich. Heute arbeitet Nina als erfolgreiche Ärztin und meidet jede noch so kleine öffentliche Aufmerksamkeit wie die Pest. Nur vier Jahre nach dieser Scheidung ging er bereits seine dritte Ehe ein, diesmal mit der Promotion-Agentin Michaela Herzek, die 17 Jahre jünger war als er. Ganze zehn Jahre hielt diese Beziehung – bis dahin seine mit Abstand längste. Sie blieb jedoch kinderlos, bevor auch hier die unvermeidliche Scheidung folgte. Wieder gab es keinerlei öffentliche Erklärungen, sondern nur das nackte Resultat: Drei Ehen, drei schmerzhafte Scheidungen, jedes Mal eine andere Frau, jedes Mal dasselbe tragische Ende. Und mit jeder neuen Beziehung wurden die Partnerinnen an seiner Seite offenkundig jünger. Der kleine Koffer, mit dem er 1963 aus Rumänien geflohen war, hätte damals wie heute als Handgepäck genügt; dreißig Jahre später besaß er zwar ein herrschaftliches Haus am Starnberger See, eine exklusive Villa auf Mallorca, aber auch eine Ehefrau, die gerade wieder ihre Koffer packte.

Was damals fast niemand in der Öffentlichkeit wusste: Peter Maffay kämpfte bis tief in die 1990er-Jahre hinein verbissen gegen eine schwere, zerstörerische Alkoholabhängigkeit. Er trank heimlich und er trank immer exzessiver. Tagsüber stand er strahlend auf der Bühne, sang herzergreifend für Kinder und Familien von Tabaluga, dem kleinen grünen Drachen, der die Welt mit Neugier entdeckt. Nach außen hin gab er den perfekten Deutschrocker, den verantwortungsvollen Familienvater und den engagierten Stiftungsgründer. Doch im Inneren tobte ein Sturm; er war ein Mann, der schlicht nicht aufhören konnte zu konsumieren. „Ich war zu viel Egoist“, gestand er Jahre späterungslos ein. Die unendliche Tournee war ihm immer wichtiger als die eigene Familie. In einem viel beachteten Interview fasste er sein Versagen mit einem einzigen, vernichtenden Satz zusammen: „Ich muss mir eingestehen, dass ich schuld am Scheitern fast aller meiner Beziehungen war.“ Noch bevor die formelle Scheidung von Michaela überhaupt vollzogen war, hatte er längst eine andere Frau kennengelernt. Im Sommer 1999 traf er auf Mallorca auf Tanja Spengler, die dort in einem Restaurant als Kellnerin jobbte. Sie war 25 Jahre alt, kam aus dem nordrhein-westfälischen Dorsten, hatte am Gymnasium in Wulfen ihr Abitur abgelegt und war nach Mallorca ausgewandert, um der drückenden Enge ihrer Heimat zu entkommen. Doch auch auf der Sonneninsel fand sie nicht jene innere Erfüllung, die sie so verzweifelt gesucht hatte. An jenem schicksalhaften Abend saß sie niedergeschlagen vor der Theke, kurz davor, alle Zelte abzubrechen und enttäuscht nach Deutschland zurückzukehren. Ihr spanischer Arbeitskollege hatte ihr zuvor noch zugeflüstert: „Heute Abend kommt ein sehr berühmter deutscher Sänger vorbei, Maffay heißt er.“ Der Name sagte ihr damals absolut gar nichts; sie erkannte den berühmten Rocker auf Anhieb überhaupt nicht. Peter Maffay ging direkt auf sie zu und stellte ihr die einfache, aber treffende Frage: „Warum bist du eigentlich so traurig?“ Aus dieser spontanen Frage erwuchs zunächst ein Job als Sekretärin in seiner Agentur, und aus der Sekretärin wurde schließlich im Jahr 2003 Frau Maffay. Sie heirateten standesamtlich, und im selben Jahr erblickte Sohn Yaris das Licht der Welt. Tanja war stolze 26 Jahre jünger als er. Viele Jahre hielt diese Verbindung, es war seine bis dato längste Ehe. Im Juli feierten sie sogar noch eine romantische kirchliche Hochzeit auf Mallorca im engen Kreis von Freunden. Doch nur fünf Monate später folgte der schockierende Paukenschlag: Peter Maffay gab die sofortige Trennung bekannt. Er habe im Oktober eine andere Begegnung gehabt, die ihn tief fasziniert habe, erklärte er freimütig der Bild-Zeitung. Diese neue Begegnung war eine 28-jährige Lehrerin – er selbst zählte zu diesem Zeitpunkt bereits 66 Lenze. Die schmutzige Scheidung zog sich bis ins Jahr 2020 hin, doch das alte, zerstörerische Muster behielt er auch diesmal bei: Er zog auf eine Finca nach Mallorca, exakt so, wie er einst aus Rumänien geflohen war. Immer weiter, immer schneller weg. Die Flucht war für ihn längst zu einer festen Gewohnheit geworden, vergleichbar mit dem alten Messer, das er seit den Tagen in Rumänien ununterbrochen bei sich trug.

Vier Ehen, und alle waren kläglich gescheitert. Doch das absolut Schlimmste, was Peter Maffay in seinem Leben widerfahren sollte, hatte rein gar nichts mit seinen gescheiterten Ehen oder wechselnden Frauen zu tun. Im Jahr 1991 nahm sich Augustine Maffay das Leben. Sie wurde nur 63 Jahre alt. Peter Maffay steckte damals mitten in seiner dritten Ehe mit Michaela, trank massenhaft Alkohol und hetzte rastlos von einem Konzerttermin zum nächsten. Er hatte den sensiblen Kontakt zu seiner eigenen Mutter keineswegs durch einen lauten Streit oder einen harten Bruch verloren, sondern schlicht und ergreifend durch pure Abwesenheit. Er war einfach niemals da, wenn sie ihn brauchte. Augustine lebte in Bayern völlig isoliert. Schon in Kronstadt hatte sie den gesamten Haushalt trotz widrigster Umstände allein geschmissen, dem kleinen Sohn die Lügengeschichte vom verreisten Vater aufgetischt und die ständige panische Angst vor dem Geheimdienst ganz allein in sich hineingefressen. In Deutschland war es kaum besser geworden: Ihr Ehemann Wilhelm hatte sich längst von ihr distanziert und eine deutlich jüngere Frau geheiratet. Ihr geliebter Sohn war zwar der berühmteste Popmusiker der Republik, für sie persönlich jedoch völlig unerreichbar. Er befand sich ununterbrochen auf Tournee, saß im schallisolierten Tonstudio oder gab weltfremde Interviews. Für einen bescheidenen, liebevollen Besuch bei seiner eigenen Mutter fand er in seinem vollen Terminkalender schlicht keine Zeit. Und unten in Rumänien, im verlassenen Haus in Brndorf, lebte nach wie vor ihre eigene betagte Mutter – jene Frau, die ihr zu Weihnachten einst die Geige geschenkt und die sie 1963 am Flughafen in Bukarest für immer zurückgelassen hatte. Augustine hatte ihr damals das feierliche Versprechen gegeben, bald zurückzukehren. Sie hielt es nie. 28 lange Jahre lang trug Augustine diese drückende Schuld auf ihren schmalen Schultern: Die verzehrende Schuld einer Tochter, die ihre eigene Mutter im Stich gelassen hatte, kombiniert mit der bitteren Enttäuschung einer Mutter, deren berühmter Sohn sie im Grunde vergessen schien. Die Frau, die sie einst auf dem Rollfeld zurücklassen musste, war dieselbe, die dem kleinen Peter das Fundament für sein gesamtes weiteres Leben geschenkt hatte. Ohne diese Geige hätte es niemals die Musik gegeben; ohne die Musik keinen Ruhm; ohne den Ruhm keinen zwingenden Grund, Rumänien überhaupt zu verlassen. Augustine hatte damals die brutalste Entscheidung ihres Lebens getroffen und die Beziehung zu ihrer eigenen Mutter geopfert, nur damit ihr Sohn eine echte Chance auf Freiheit und eine gute Zukunft hatte. Sie hatte die richtige, schmerzhafte Wahl getroffen – und sie bezahlte den ultimativen Preis dafür. Fast drei Jahrzehnte lang trug sie diese Last, bis der psychische Bumerang mit voller Wucht zurückschlug. Peter Maffay bekannte später reumütig: „Meine Mutter musste sich damals zwischen mir und ihrer eigenen Mutter entscheiden. Das ist eine unerträgliche Belastung, mit der sie leben musste und die dann irgendwann wie ein Bumerang zurückkam. Ich war damals absolut blind, taub und dumm. Natürlich frage ich mich bis heute, wie ich ihr grauenhaftes Unglück eigentlich hätte verhindern können.“ Er hatte einer völlig fremden Kellnerin auf Mallorca noch die tiefe Frage gestellt, warum sie so traurig sei; seiner eigenen Mutter hatte er diese lebensrettende Frage hingegen nie gestellt. Er hatte sie nicht einmal besucht. Augustine Maffay starb in Bayern allein. Ihr Grab befindet sich bis heute auf dem kleinen Friedhof in Waldkreiburg, genau jener oberbayerischen Kleinstadt, in der die Familie 1963 mit jenem winzigen Koffer angekommen war.

Doch die emotionale Geschichte war damit noch längst nicht auserzählt. Im August 2007, exakt 44 jahre nach der dramatischen Flucht aus Rumänien, kehrte Peter Maffay zum allerersten Mal in sein Geburtsdorf Brndorf zurück. Es war der Ort, aus dem seine Mutter stammte und in dem einst seine Großmutter Amalie als Kindergärtnerin gearbeitet hatte. Mit Hilfe aufmerksamer Nachbarn fand er das alte, verlassene Haus tatsächlich wieder. Es stand noch immer dort, inzwischen bewohnt von einer rumänischen Familie. Peter Maffay nahm dort eine handvoll schwerer Erde aus dem alten Garten mit, flog umgehend nach Bayern zurück und streute diese rumänische Erde andächtig auf das Grab seiner Mutter in Waldkreiburg. Erde aus dem Haus jener Frau, die einst die Geige geschenkt hatte, auf der letzten Ruhestätte der Tochter, die sie damals zurücklassen musste. Wenig später unternahm er einen weiteren emotionalen Schritt und holte die Urne seiner verstorbenen Mutter von Bayern direkt zu sich nach Mallorca. Er flog sie im Flugzeug eigenhändig herüber – eine späte, symbolische Art der Wiedergutmachung, wie er es selbst nannte. Er wollte jene tiefe emotionale Nähe zu ihr aufbauen, die er zu ihren Lebzeiten so schmerzhaft versäumt hatte. Auf derselben Finca in Pollença, auf der heute die Urne steht, hatte er bereits im Jahr 2000 eine Stiftung für schwer traumatisierte Kinder ins Leben gerufen. Dort finden Jungen und Mädchen Zuflucht, die durch grausame Gewalt, schweren Missbrauch oder lebensbedrohliche Krankheiten aus ihrem jungen Leben gerissen wurden. Auf diesem Bauernhof versorgen die Kinder Tiere, sammeln frische Eier ein, pflücken reife Zitronen und pressen daraus Limonade. Gruppen von bis zu vierzehn Kindern verbringen dort jeweils zwei betreute Wochen, begleitet von professionellen Therapeuten. Über tausend Kinder werden von dieser Stiftung Jahr für Jahr betreut. Der Mann, der einst unfähig war, seine eigene Mutter vor der Einsamkeit zu retten, versucht seither verbissen, fremde Kinder zu retten. Im Jahr 2009 eröffnete er ein weiteres Tabaluga-Haus in Radeln, einem kleinen siebenbürgischen Dorf – exakt in jener Region, aus der er 1963 einst geflohen war. Eine alte Kirchenburg, ein umgebauter Bauernhof und ein medizinisches Ärztehaus bilden heute einen sicheren Zufluchtsort.

Sein Vater Wilhelm, jener Mann, der ihm einst auf dem Rollfeld in Bukarest die harte Ohrfeige verpasst hatte, brach schließlich mit 92 Jahren sein eisernes Schweigen. Im Jahr 2019 erschien ein gemeinsames Buch mit dem schlichten Titel „Tati, erzähl“, in dem der alte Mann endlich die Geschichten preisgab, nach denen Peter als Kind so oft gefragt hatte. Wilhelm gestand darin auch offen, warum Peter ein Einzelkind geblieben war: Sie konnten sich schlicht kein zweites Kind leisten, die wirtschaftliche Unsicherheit im sozialistischen Siebenbürgen war viel zu erdrückend gewesen. Doch Wilhelm sorgte noch einmal für einen schweren familiären Eklat: Nach der endgültigen Trennung von Augustine heiratete er die Fotografin Elvira, die sage und schreibe 27 Jahre jünger war als er selbst. Peter Maffay war damals tief entsetzt über diese spätere Wahl seines Vaters und brach den jahrelangen Kontakt vorübergehend komplett ab. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis die beiden Männer wieder zueinander fanden. Dass sein eigener Vater im hohen Alter eine Frau heiratete, die fast drei Jahrzehnte jünger war als er, hatte den Musiker zutiefst verstört – und doch holte ihn exakt dieses Muster später ein, als er selbst Ehen mit Frauen einging, die 26 und später sogar 38 Jahre jünger waren als er. Im Mai 2019 verstarb Wilhelm Maffay im stolzen Alter von 94 Jahren. Das Leben ging weiter: Die Adoptivtochter Nina lebt heute als anerkannte Ärztin in Deutschland und hält trotz aller Distanz einen ruhigen Kontakt zu ihrem Vater. Sohn Yaris, der aus der Ehe mit Tanja hervorging, zog nach der Scheidung von seiner Mutter im Jahr 2022 von Mallorca aus in die unmittelbare Nähe seines Vaters an den Starnberger See und stand sogar bei dessen großer Abschiedstournee gemeinsam mit ihm auf der Live-Bühne. Im selben Jahr wagte Peter Maffay noch einmal den Schritt vor den Traualtar und heiratete Hendrikje Balsmeier, eine Lehrerin, die 38 Jahre jünger ist als er. Ihre gemeinsame Tochter Anuk kam 2018 zur Welt. Drei seiner insgesamt fünf Ehefrauen waren im Übrigen Lehrerinnen – manche charakteristischen Muster im Leben enden eben niemals ganz, auch wenn man lernt, mit ihnen zu leben.

Auf dem kleinen Beistelltisch neben seinem Schreibtisch steht das alte, vergilbte Foto des Weihnachtsbaums noch immer unerschütterlich. Der kleine Junge mit dem roten Blechauto, die lächelnde Mutter, der schweigende Vater. Die Geige der Großmutter Amalie führte ihn einst unweigerlich zu allem: zur großen Musik, zum nationalen Ruhm, zu fünf gescheiterten Ehen und dem dunklen Alkohol. Augustine ließ die Frau, die diese Geige einst gekauft hatte, in Rumänien zurück; ihr Sohn holte Jahrzehnte später symbolisch die Erde dorthin zurück. Heute betreut Peter Maffay auf seiner Finca verletzte Seelen, während in Radeln ein Haus für Kinder steht. Er nennt es selbst konsequent Wiedergutmachung. Fünf Ehen, fünf Scheidungen, über 50 Millionen verkaufte Platten und eine Urne im Arbeitszimmer. Der kleine Junge mit dem Blechauto aus Kronstadt hat seinen ganz eigenen Frieden am Ende des langen Weges gesucht.

Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

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