Monika Gruber rechnet ab: Warum moderne Frauen den wahren Gentleman zerstören und wir die Kunst der Liebe neu erlernen müssen

Es ist ein Satz, der wie ein gewaltiger Paukenschlag durch die sozialen Netzwerke hallt und eine Debatte entfacht, die in unserer modernen Gesellschaft längst überfällig schien. Der Auslöser, der in diesen Tagen für mächtig Wirbel und erhitzte Gemüter sorgt, ist kein offizielles Statement und auch keine inszenierte Pressekonferenz, sondern schlichtweg ein Mikrofon. Davor sitzt Monika Gruber, die wohl scharfzüngigste, pointierteste und erfolgreichste Kabarettistin, die Bayern in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. In ihrem eigenen Podcast “Die Gruberin in Ratsch” nimmt die meinungsstarke Entertainerin wie gewohnt kein Blatt vor den Mund. Doch wer nun erwartet, dass sie in altbekannter Manier gegen die Unzulänglichkeiten der Männerwelt austeilt, sieht sich getäuscht. Die Gruberin schießt dieses Mal in eine völlig andere Richtung, und das mit einer Präzision, die vielen schmerzt. „Manche Frauen machen für uns Frauen auch viel kaputt“, sagt sie mit Nachdruck. Ein Satz, der aufhorchen lässt. Sie zielt nicht auf das Patriarchat, nicht auf toxische Männlichkeit, sondern auf eine ganz bestimmte Sorte Frau. Und die Frage, die Monika Gruber damit schonungslos in den Raum stellt, ist weitaus heikler und tiefgründiger, als sie beim ersten Hören vielleicht klingen mag: Haben wir Frauen uns die echten Gentlemen in unserer Gesellschaft eigentlich selbst kaputt gemacht?

Wir leben in einer Zeit, in der weibliche Unabhängigkeit und vollkommene Selbstbestimmung erfreulicherweise so großgeschrieben werden wie nie zuvor in der Geschichte. Frauen stehen souverän in Führungspositionen, sind finanziell vollkommen unabhängig und brauchen längst keinen klassischen Versorger mehr, um ein erfolgreiches und erfülltes Leben zu führen. Doch an der sensiblen Schwelle zwischen beruflicher Emanzipation und privater Romantik scheint sich in den letzten Jahren ein fataler Missklang eingeschlichen zu haben. Monika Gruber legt den Finger unerbittlich genau in diese offene Wunde des modernen Beziehungslebens. Sie stört sich massiv an jener Haltung, die sie bei unzähligen Geschlechtsgenossinnen im Alltag beobachtet. Es sind Sätze wie: „Nein, danke, ich zahle mein Essen selbst“ oder „Lass mal, ich halte mir die Tür schon alleine auf“, die Gruber geradezu auf die Palme bringen. Für viele moderne Frauen klingen diese unmissverständlichen Aussagen nach einem absolut notwendigen Ausdruck von Selbstbewusstsein, nach unerschütterlicher Stärke und purer Unabhängigkeit. Sie wollen auf keinen Fall als schwach, bedürftig oder gar inkompetent wahrgenommen werden. Doch für Monika Gruber schwingt in diesen Sätzen etwas völlig anderes mit. Sie sieht darin keinen glorreichen Triumph der Emanzipation, sondern den traurigen und unnötigen Tod einer wunderbaren, zwischenmenschlichen Kultur.

„Ich denke mir dann immer: Jetzt macht uns die das bitte nicht kaputt, das hätte ich doch so gern!“, ruft Gruber in ihrem Podcast beinahe verzweifelt aus. Und mit dieser hochgradig emotionalen, fast schon flehenden Aussage spricht sie unzähligen Frauen direkt aus der tiefsten Seele, die sich das im Zeitalter der extremen Selbstoptimierung und des radikalen Feminismus kaum noch laut auszusprechen trauen. Monika Gruber steht mutig dazu: Sie will den Mann, der ihr ganz klassisch den Stuhl zurecht rückt. Sie will die charmante, helfende Hand, die ihr elegant aus dem schweren Wintermantel hilft. Sie sehnt sich nach der traditionellen, geradezu aus der Zeit gefallenen Höflichkeit, die heute oftmals völlig fälschlicherweise mit patriarchaler Unterdrückung oder gestriger Rückständigkeit verwechselt wird. Sie ärgert sich maßlos darüber, dass andere Frauen durch ihr ständiges, oft harsches und kühles Zurückweisen den Männern diese charmanten, respektvollen Gesten offenbar systematisch und gnadenlos abgewöhnt haben. Es ist ein ehrlicher und unglaublich mutiger Zwischengedanke, der den Zuhörer unweigerlich zum Nachdenken zwingt. Gruber trifft einen empfindlichen gesellschaftlichen Nerv, über den viele in der Öffentlichkeit am liebsten schweigen würden, weil er so gar nicht in das laute Narrativ der allmächtigen, völlig autarken und unverwundbaren Frau passen will. Die unbequeme Kernfrage lautet demnach: Darf eine moderne, finanziell und emotional selbstständige Frau sich heute überhaupt noch altmodische Höflichkeit von einem Mann wünschen, ohne sich dafür direkt vor anderen Frauen rechtfertigen zu müssen? Ist der Wunsch nach einem echten, rücksichtsvollen Gentleman in der heutigen Zeit tatsächlich schon zu einem gesellschaftlichen Tabu verkommen?

Anstatt die Männer für ihr scheinbar mangelndes Taktgefühl zu verurteilen, macht Monika Gruber im weiteren Verlauf etwas Erstaunliches: Sie sieht die Männerwelt in diesem speziellen Dilemma fast schon als die wahren Opfer der Umstände. „Die Männer sind doch schon so verunsichert“, konstatiert die bald 55-Jährige überaus treffend. Sie ist felsenfest davon überzeugt, dass unzählige Männer von ihrer eigenen Natur aus gerne zuvorkommend, höflich und beschützend wären. Die Instinkte und der innere Wunsch, einer Frau echten Respekt zu zollen, seien in der männlichen DNA durchaus noch stark vorhanden. Aber sie trauen sich schlichtweg nicht mehr aus der Deckung. Die panische Angst, in der Öffentlichkeit durch eine eigentlich gut gemeinte Geste etwas falsch zu machen, als bevormundender Chauvinist abgestempelt oder von einer emanzipierten Frau harsch und lautstark angefahren zu werden, ist mittlerweile allgegenwärtig. Gruber bricht in einer Zeit, in der das pauschale Verurteilen von Männern oft als harmloser und akzeptierter Spaß toleriert wird, eine gewaltige Lanze für das männliche Geschlecht. Sie erzählt äußerst anschaulich von konkreten Momenten, in denen sie selbst hautnah miterleben musste, wie extrem schnell ein eigentlich gutwilliger, freundlicher Mann völlig verschreckt und in die Flucht geschlagen wird. Wenn eine Frau einen Mann, der ihr helfen möchte, mit den eisigen Worten „Das kann ich alleine!“ schroff zurückweist, beobachtet Gruber das mit echtem, aufrichtigem Bedauern. „Der arme Kerl“, denkt sie sich in genau solchen eisigen Situationen, „der wird jetzt mit Sicherheit nie wieder im Leben einer anderen Frau einen Stuhl zurecht schieben.“ Für Monika Gruber sind genau diese vier kleinen Worte – „Das kann ich alleine“ – der unumstößliche Sargnagel der alten, wunderschönen Höflichkeit. Sie plädiert leidenschaftlich dafür, dass wahre weibliche Stärke eben nicht bedeutet, chronisch jede angebotene Hilfe rigoros abzulehnen, sondern vielmehr die innere Größe zu besitzen, eine freundliche, männliche Geste als exakt das anzunehmen, was sie ursprünglich ist: ein reines und aufrichtiges Zeichen der Wertschätzung.

Doch wer nun fälschlicherweise denkt, dass der Podcast der bayerischen Frohnatur lediglich aus einer lauten, gesellschaftskritischen Tirade über fehlende Manieren und radikale Feministinnen besteht, wird im weiteren Laufe des Gesprächs von einer völlig anderen, unerwarteten Monika Gruber absolut überrascht. Der Ton der Unterhaltung kippt spürbar und merklich. Es wird plötzlich sehr leise, unheimlich intim und tiefgründig. So überaus bestimmt, selbstsicher und lautstark Monika Gruber beim Thema Höflichkeit und gesellschaftlichen Umgangsformen auftritt, so unsicher, tastend und hochemotional verletzlich wird sie urplötzlich bei einem anderen, viel existenzielleren Thema: der Liebe selbst. Plötzlich klingt die sonst so schlagfertige, nie um einen bissigen Kommentar verlegene Kabarettistin ganz anders. Nachdenklich. Leise. Fast schon verzweifelt ratlos. Sie macht ein öffentliches, ungefiltertes Geständnis, das man von einer starken Frau ihres Kalibers, die in der Öffentlichkeit stets Herrin der Lage zu sein scheint, niemals erwartet hätte. In naher Zukunft wird Monika Gruber 55 Jahre alt. Sie blickt auf ein unglaubliches Leben voller beruflicher Triumphe, ausverkaufter Hallen, tosender Appläuse und unzähliger menschlicher Begegnungen zurück. Und trotzdem sagt sie in das Mikrofon mit einer geradezu entwaffnenden, rohen Ehrlichkeit: „Eigentlich verstehe ich von Beziehungen gar nichts.“

Wörtlich fügt die Erfolgsfrau hinzu: „Ich glaube, ich weiß gar nichts.“ Es ist ein seltener Moment der absoluten seelischen Entblößung. Gruber beschreibt hier exakt jenes paradoxe, schmerzhafte Gefühl, das so viele Menschen in der Lebensmitte nur allzu gut kennen. Man hat in jungen Jahren das trügerische Gefühl, über die große Liebe, die richtige Partnerwahl und das komplexe Zusammenleben im Laufe der Jahre und Jahrzehnte ein bisschen was gelernt zu haben, nur um dann bei der nächsten Gelegenheit ernüchtert festzustellen, dass man eigentlich vor dem exakt gleichen Nichts steht wie zu Beginn. Sie fühlt sich in tiefen Liebesdingen nach eigenen Worten „genauso schlau wie vor 30 Jahren“. Und dann wendet sie sich direkt an ihren Podcast-Gast und stellt eine Frage, die den Zuhörer zutiefst berührt und einen Kloß im Hals hinterlässt. Sie fragt mit brüchiger Stimme: „Ist eigentlich armselig, oder?“ Halten wir für einen kurzen Moment inne und betrachten die immense Wucht dieser Szene. Da sitzt eine reife Frau, die beruflich vor Tausenden von begeisterten Menschen auf der großen Bühne steht, die rhetorisch absolut brillant ist, die furchtlos und messerscharf pointiert über Politik, Gesellschaft und den alltäglichen Wahnsinn dozieren kann. Und beim komplexesten und wichtigsten Thema der Menschheit, der romantischen Liebe, gibt sie völlig unumwunden zu, sich mit Mitte fünfzig absolut kein bisschen sicherer, klüger oder erfahrener zu fühlen als in ihren frühen Zwanzigern.

Dieses intime Eingeständnis ist jedoch bei Weitem kein Makel. Ganz im Gegenteil: Es zeugt von einer immensen inneren Größe, enormer Reife und außergewöhnlicher Stärke. Es ist unfassbar und ungewöhnlich ehrlich in einer plastischen Welt, in der auf Social Media und in glänzenden Hochglanzmagazinen ständig und ununterbrochen vorgegaukelt wird, jeder hätte sein Leben, seine mentale Gesundheit und seine Beziehungen absolut perfekt im Griff. Wie viele erfolgreiche Menschen würden sich überhaupt noch trauen, eine solch tiefgreifende emotionale Orientierungslosigkeit derart offen und unverblümt vor einem Millionenpublikum auszusprechen? Genau dieser flüchtige Moment der absoluten, ungeschminkten Verletzlichkeit ist es, der Monika Gruber so unglaublich nahbar macht und schlüssig erklärt, warum so unfassbar viele Menschen ihr seit Jahrzehnten so fest die Treue halten. Es ist diese seltene, magische und faszinierende Mischung aus einer rasiermesserscharfen Zunge, unnachgiebiger Kritikfähigkeit und einer echten, spürbaren und blutenden Verletzlichkeit. Sie zeigt uns schonungslos, dass massiver Erfolg, finanzieller Reichtum und anhaltende Prominenz uns Menschen niemals davor bewahren, vor den echten Rätseln des menschlichen Herzens immer wieder wie blutige Anfänger kapitulieren zu müssen.

Doch das tiefgehende Gespräch offenbart noch eine dritte, elementare Ebene, die noch viel weiter in die privatesten Sphären des menschlichen Zusammenlebens vordringt. Grubers geschätzter Gast in dieser bemerkenswerten Podcast-Folge ist nämlich keine Geringere als die renommierte und erfahrene Sexualtherapeutin Gerti Senger. Eine Frau, die seit vielen Jahrzehnten die komplexen Dynamiken von Liebesbeziehungen erforscht und unzähligen verzweifelten Paaren tief in die Seele geschaut hat. Senger bringt im Laufe der intensiven Diskussion einen überaus wichtigen Begriff ins Spiel, der in der heutigen hypervernetzten und grenzenlosen Gesellschaft beinahe vollständig in Vergessenheit geraten zu sein scheint: das Wort Intimität. Dabei meint die ausgewiesene Expertin jedoch ausdrücklich nicht die offensichtliche, körperliche Nähe oder die bloße Sexualität im Schlafzimmer. Sie spricht vielmehr von den feinen, unsichtbaren und sensiblen Grenzen zwischen zwei Menschen. Grenzen, die eine romantische Beziehung nicht etwa unangenehm einengen oder ersticken, sondern sie eigentlich im tiefsten Kern erst schützen und den romantischen Zauber langfristig bewahren.

Gerti Senger vertritt in diesem entscheidenden Punkt eine extrem klare, fast schon strenge und unerbittliche Meinung. Wenn moderne Paare heute in ihrem ständigen Zusammenleben überhaupt keine persönlichen Grenzen mehr wahren, wenn im gemeinsamen Haushalt wirklich alles – auch das Unästhetischste – völlig selbstverständlich und schonungslos voreinander geschieht, dann sei das für sie nicht etwa der ultimative Gipfel der absoluten Vertrautheit. Für die Sexualtherapeutin ist dieser Zustand das exakte Gegenteil von echter, tiefer Nähe. Sie prägt dafür den starken, aufrüttelnden Begriff der „Verwahrlosung von Intimität“. In einer Zeit, in der das absolute, symbiotische Verschmelzen und das ständige, pausenlose Teilen aller körperlichen und seelischen Regungen als das absolute Beziehungsideal propagiert werden, warnt die Therapeutin massiv vor den fatalen Folgen dieses grenzenlosen Umgangs. Die völlige, schonungslose Entzauberung des Partners im Alltag ist sehr oft der erste schleichende, unbemerkte Schritt hin zum absoluten Verlust von brennender Leidenschaft und erotischer Spannung. Wer absolut kein Geheimnis mehr voreinander hat, wer jede noch so kleine Mystik zerstört, der hat sich am Ende des Tages oft auch nichts Spannendes mehr zu sagen oder zu zeigen, was den anderen noch nachhaltig faszinieren könnte.

Genau hier wird Monika Gruber im Gespräch plötzlich extrem hellhörig und aufmerksam. Mitten im verbalen Austausch erkennt sie wie durch einen Blitzschlag eine tiefe, verborgene Wahrheit über sich selbst. Sie gibt ganz offen zu, dass sie es unglaublich spannend und befreiend finde, dass eine derart ausgewiesene Fachfrau diese moderne Dynamik so extrem kritisch und negativ bewertet. Denn Gruber bestätigt zähneknirschend, dass es heute in vielen Ehen und Beziehungen als völlig normal, ja fast schon als unumstößlicher Beweis für die wahre, große Liebe gelte, dass man im Alltag wirklich absolut alles voreinander mache. Gruber selbst aber war von dieser Form der gnadenlosen Offenheit noch nie ein großer Fan. Mehr noch: Über viele quälende Jahre hinweg hat sie genau diese eigene, natürliche Zurückhaltung für einen persönlichen, schwerwiegenden Makel, für eine Art psychologische Blockade gehalten. Wörtlich sagt sie in ihrer typisch charmanten, bayerischen Manier: „Ich habe immer gedacht, ich bin gschamig, weil ich das nicht mag.“ „Gschamig“ – das ist der klassische bayerische Ausdruck für schamhaft, verklemmt oder übermäßig zurückhaltend. Sie dachte tatsächlich all die Jahre, sie sei schlichtweg nicht fähig zu jener absoluten, modernen und schmerzlosen Hingabe, die scheinbar von allen anderen Paaren so mühelos praktiziert wird.

An dieser Stelle wird die Kabarettistin noch sehr viel konkreter und bringt ein anschauliches Beispiel, das viele Hörer und Fans sicher im ersten Moment zum Schmunzeln bringt, das aber im tiefsten Kern eine essenzielle und rettende Beziehungsregel darstellt. Vor einem geliebten Lebensgefährten auf die Toilette zu gehen – das komme für sie absolut nicht in Frage. Niemals und unter keinen Umständen. Mit einem kleinen, verschmitzten Augenzwinkern fügt sie hinzu, dass sie so etwas im äußersten, absoluten Notfall sogar eher noch vor einer guten, platonischen Freundin tun würde als vor dem eigenen romantischen Partner. Was auf den ersten flüchtigen Blick wie eine amüsante, harmlose Anekdote aus dem privaten Nähkästchen wirkt, trägt eine tiefe, universelle psychologische Wahrheit in sich. Für Monika Gruber gibt es in der Liebe gewisse rote Linien und absolute Grenzen, die selbst in der größten denkbaren körperlichen Nähe, im tiefsten und festesten Vertrauen zwingend und dauerhaft bestehen bleiben müssen. Diese bewusste räumliche und emotionale Distanz entsteht eben nicht aus emotionaler Kälte, Bindungsangst oder mangelnder Liebe, sondern – so lässt sich diese weise Haltung am allerbesten verstehen – aus einem tiefen, ehrfürchtigen Respekt vor dem letzten großen Geheimnis, das zwei erwachsene Menschen füreinander bewahren sollten. Ein kleines bisschen Distanz erhält unweigerlich den Zauber. Ein bisschen Scham schützt langfristig die Würde und die Erotik beider Partner.

Was bleibt am Ende also von dieser extrem viel beachteten und intensiv diskutierten Podcast-Folge? Es ist das überraschend vielschichtige, zutiefst menschliche und berührende Bild einer faszinierenden Frau, die man nach all den vielen erfolgreichen Jahren im hellen Rampenlicht eigentlich genau zu kennen glaubte. Auf der einen Seite erleben wir die scharfe, unbeugsame Kritikerin, die vehement gegen den Strom des modernen Zeitgeistes schwimmt, die sich die altmodischen, verlässlichen Gentlemen zurückwünscht und dafür auch jederzeit bereit ist, mutig und frontal gegen die eigene Geschlechtsgenossinnen auszuteilen. Sie fordert uns alle unmissverständlich dazu auf, klassische Höflichkeit endlich nicht mehr als weibliche Schwäche zu deuten und den Männern wieder den notwendigen Raum zu geben, beschützend und zuvorkommend aufzutreten, ohne dabei ständige Angst vor feministischen, lauten Repressalien haben zu müssen. Auf der anderen Seite offenbart sich uns eine zutiefst reflektierte, hochsensible Frau, die kurz vor ihrem 55. Geburtstag entwaffnend und schonungslos offen zugibt, in Sachen Liebe noch immer auf wackligen Beinen zu stehen, nicht sicher zu wissen, wie das mit dem eigenen Herzen eigentlich richtig funktioniert.

Monika Gruber hat sich jahrelang im Stillen für ihre eigene, ganz natürliche Zurückhaltung und ihre angeborene Scham in intimen Beziehungen geschämt – bis eine erfahrene Expertin ihr endlich die Augen öffnete und bestätigte, dass genau in dieser strikten Wahrung von privaten Grenzen vielleicht sogar eine ihrer allergrößten emotionalen Stärken für den Erhalt von echter Liebe und brennender Intimität liegt. Man muss als Zuhörer oder Leser sicher nicht jede politische oder gesellschaftliche Meinung von Monika Gruber bedingungslos teilen. Vieles von dem, was sie schonungslos ausspricht, polarisiert extrem und wird zweifellos auch in Zukunft für hitzige, laute Diskussionen an den Küchentischen und in den endlosen Kommentarspalten des Internets sorgen. Doch in einem essenziellen Punkt ist sie unschlagbar und ein absolutes Vorbild: Sie ist bedingungslos ehrlich zu sich selbst und zu ihrem Publikum. Diese einzigartige, elektrisierende Mischung aus bewusster, scharfer Provokation und leisen, quälenden Selbstzweifeln, aus extrem lauter, unumstößlicher Meinung und flüsternder, tastender Unsicherheit, ist wohl genau das, was sie als Künstlerin und als Mensch so außergewöhnlich und unersetzlich macht. Sie zwingt uns durch ihre Worte, unsere eigenen, oftmals stur eingespielten Verhaltensmuster radikal zu hinterfragen. Wie sehen Sie das liebe Leserinnen und Leser? Sind die kleinen, aufmerksamen Gesten, das elegante Aufhalten der Tür, der höfliche Griff zum schweren Mantel, wirklich nur noch verstaubte Relikte einer dunklen, patriarchalen und unterdrückenden Vergangenheit? Oder sind sie in Wahrheit die letzten wunderschönen, leuchtenden Überbleibsel einer alten, romantischen Höflichkeit, die unser zunehmend raues, egoistisches und schnelles Zusammenleben ein kleines bisschen wärmer und menschlicher machen? Die hitzige Debatte ist hiermit offiziell eröffnet.

Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

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