Lex Barker: Der einsame Tod des Mannes, den ganz Deutschland als Old Shatterhand liebte

Der 11. Mai 1973 in Manhattan, Ecke Lexington Avenue und 61. Straße. Ein grauer Tag, der in die Filmgeschichte eingehen sollte, jedoch nicht durch einen neuen Leinwanderfolg, sondern durch eine menschliche Tragödie. Ein Mann bricht mitten auf dem Gehweg zusammen – ein plötzlicher Herzinfarkt. Passanten eilen herbei, versuchen zu helfen, doch niemand erkennt den Mann, der vor ihnen liegt. Er hat keine Papiere bei sich, keinen Ausweis, der Aufschluss über seine Identität geben könnte. Erst als ein Helfer behutsam seine Armbanduhr umdreht und die Gravur auf der Rückseite entziffert, gefriert ihm das Blut in den Adern. Die Welt hatte gerade einen ihrer größten Stars verloren: Lex Barker. Drei Tage nach seinem 54. Geburtstag war er auf dem Weg zu seiner Verlobten, der Schauspielerin Karen Kondan, doch er kam nie an.

Lex Barker, ein Name, der bei Millionen Deutschen sofort Bilder von weiten Prärien, edlen Helden und dem unverwechselbaren Klang der Old-Shatterhand-Melodie hervorruft. Er war der strahlende Amerikaner, der in deutschen Karl-May-Verfilmungen zum Inbegriff des deutschen Heldentums wurde. Doch sein privates Schicksal stand in einem krassen Widerspruch zu seinem Leinwandimage. Er hatte einmal gesagt: „Allein sein ist wie tot sein.“ Fünf Ehen, drei Kinder, Millionen Fans, die ihn als Old Shatterhand verehrten – und am Ende starb er völlig allein auf einer Straße in New York, ohne dass auch nur ein einziger Passant sein Gesicht erkannte.

Die Geschichte von Lex Barker ist keine bloße Biografie; sie ist das Porträt eines Mannes, der zeitlebens auf der Suche nach einem Zuhause war, das er nur für kurze, kostbare Momente finden konnte. Alexander Crichlow Barker Junior wurde am 8. Mai 1919 in Rye, New York, in eine der angesehensten Familien der Stadt geboren. Sein Geburtshaus war ein repräsentatives Anwesen, ein Backsteinbau inmitten einer Parkanlage, in dem das Kaminfeuer knisterte und die Familie zum „Social Register“, dem Adressbuch der New Yorker Oberschicht, gehörte. Sein Vater war ein wohlhabender Bauunternehmer und Börsenmakler. Alles war vorgezeichnet: die Ausbildung in Princeton, die Übernahme des Familienbetriebs, ein Leben in geordneten Bahnen.

Doch Lex Barker wollte mehr. Er brach sein Studium ab, gegen den ausdrücklichen Willen seines Vaters, der ihn daraufhin enterbte. Mit 19 Jahren stand der junge Erbe plötzlich allein da, ohne Geld und ohne Netz. Es war der Beginn eines Lebens, das er konsequent selbst bestimmen wollte, auch wenn ihn diese Entscheidung den Rückhalt seiner Familie kostete. Er arbeitete in einer Stahlfabrik und studierte abends weiter, um den Ingenieurabschluss nachzuholen, während er gleichzeitig den Traum von der Bühne verfolgte. 1938 ergatterte er eine kleine Rolle am Broadway, doch der große Durchbruch blieb zunächst aus. Dann kam der Zweite Weltkrieg.

Im Jahr 1941, zehn Monate vor dem Angriff auf Pearl Harbor, meldete sich Barker freiiwillig zur Infanterie. Er kämpfte in Nordafrika, auf Sizilien und in Italien. Auf Sizilien erlitt er eine schwere Kopfverletzung, die ihn zeitlebens begleiten sollte. Für seinen besonderen Mut wurde er mit dem Silver Star und zweimal mit dem Purple Heart ausgezeichnet. Er verließ die Armee als Major – ein Mann, der den Ernst des Lebens an der Front erfahren hatte.

Nach dem Krieg begann seine Hollywood-Karriere. 1949 trat er als Nachfolger von Johnny Weissmüller das Erbe als zehnter Tarzan der Filmgeschichte an. Groß, blond und athletisch, war er die Idealbesetzung für die Rolle, doch genau diese Rolle wurde zu seinem Fluch. Er war fortan auf das Image des „Dschungelkönigs“ festgelegt. Ernsthafte Rollen, nach denen er sich sehnte, wurden ihm verwehrt. „Wenn man Erfolg hat und dazu noch ein schönes Privatleben“, sagte er Jahre später, „dann denkt man sich, was soll mir schon passieren.“

Doch sein Privatleben war alles andere als unkompliziert. Seine erste Ehe mit Constance Thurlow, aus der zwei Kinder hervorgingen, scheiterte 1950. Es folgten weitere Ehen, darunter eine sehr kurze mit Arlene Dahl. Doch die wohl bekannteste Verbindung war die zu Lana Turner, dem größten weiblichen Filmstar jener Zeit. Als die beiden 1953 heirateten, schienen sie das Traumpaar Hollywoods zu sein. Doch hinter den verschlossenen Türen ihrer Villa in Beverly Hills sah die Realität anders aus. Die Kluft zwischen ihnen wuchs. Er suchte anspruchsvolle Rollen, sie war der Star, der den Erfolg gewohnt war. 1956 erlitt Turner eine Totgeburt, ein Ereignis, das die ohnehin fragile Beziehung endgültig zertrümmerte. 1957 folgte die Scheidung. Jahrzehnte später kamen Vorwürfe der Tochter von Turner ans Licht, wonach Barker sich ihr gegenüber unangemessen verhalten haben soll. Er konnte sich nie öffentlich verteidigen, und sein Sohn Christopher kämpfte nach seinem Tod leidenschaftlich gegen diese Behauptungen an, die er als schmutzige Kampagne bezeichnete.

Tief enttäuscht von Hollywood und seinem Image als „Tarzan“, verließ Barker Amerika und ging nach Europa. In Italien, der aufblühenden Filmstadt Cinecittà, fand er eine zweite Chance. Er sprach fließend mehrere Sprachen, darunter Französisch, Spanisch, Italienisch und etwas Deutsch. Federico Fellini besetzte ihn in „Das süße Leben“ – Ironie des Schicksals, dass die Rolle, die er so sehr begehrte, die eines Mannes war, der unter dem Erfolg seiner Frau litt.

Doch dann kam die Wende, die sein Leben und sein Vermächtnis für immer verändern sollte: die Begegnung mit Irene Labart, einer Schauspielschülerin aus Luzern. Sie war Anfang 20, er Ende 30. Sie sah in ihm nicht den Tarzan, nicht den Hollywood-Star, sondern den Menschen. Am 14. März 1959 heirateten sie. Es war die einzige Ehe, in der er wirklich glücklich war. Mit ihr fand er das Zuhause, das er so lange gesucht hatte. 1960 wurde ihr Sohn Christopher in Rom geboren. In dieser Zeit erreichte ihn das Angebot des Produzenten Horst Wendlandt, die Rolle des Old Shatterhand in der Verfilmung von Karl Mays „Der Schatz im Silbersee“ zu übernehmen. Barker lehnte zunächst ab – ein deutscher Western schien ihm abwegig. Doch Irene kannte Karl May, sie wusste, was der Name bedeutete, und überredete ihn. Ohne sie gäbe es den „Old Shatterhand“, den wir heute alle kennen, wohl nicht.

Der Film kam 1962 in die Kinos und Deutschland war elektrisiert. „Sexy Lexi“, nannten ihn die Zeitungen. Millionen Zuschauer strömten in die Kinos. Barker trug einen Gürtel, den ihm einst Navajos geschenkt hatten – ein privates Stück Heimat, das er in jeden Film mitbrachte. Doch das Glück sollte nur drei Jahre währen. Am 23. Oktober 1962 starb Irene Labart an Leukämie, mit nur 26 Jahren. Es war der größte Verlust seines Lebens. „Als sie starb, ist für Lex eine Welt zusammengebrochen“, erinnerte sich sein Blutsbruder Pierre Brice.

Nach ihrem Tod verfiel Barker in alte Muster. Nur zwei Monate später heiratete er wieder, die Spanierin Carmen Cervera, doch das Glück blieb aus. Er konnte nicht allein sein. Als die Karl-May-Welle Ende der 60er Jahre abebbte, blieb er ohne Rollenangebote zurück. Er malte, bestritt Tennisschaukämpfe, doch der Alkohol und die Einsamkeit begannen, sein Leben zu dominieren.

Sein letztes Projekt, eine Rolle in der Mystery-Serie „Night Gallery“ mit dem Titel „Wo alle Wege enden“, sollte eine bittere Vorahnung sein. Am 11. Mai 1973 endete sein Weg auf jenem Gehweg in New York. Er starb nicht als der strahlende Held der Prärie, sondern als ein einsamer Mann, der zeitlebens nach einer Bestätigung gesucht hatte, die ihm die Welt nie wirklich geben konnte. Er hinterließ ein Erbe aus unzähligen Filmen und eine Familie, die jahrelang um sein Vermächtnis stritt. Lex Barkers Grab befindet sich in Saint-Jean-Cap-Ferrat, weit weg von seiner Geburtsstadt und dem Land, das ihn so sehr liebte.

Er bleibt in Erinnerung als ein Mann mit einem außergewöhnlichen Charisma und einer aufrichtigen, sensiblen Seele – ein Mann, der in der Einsamkeit lebte und schließlich darin verstummte.

Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

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