Katarina Witt mit 60: Die ungeschönte Wahrheit über ihre heimlichen Lieben und den unfassbaren Preis der absoluten Freiheit
Katarina Witt hatte in ihrem Leben fast alles erreicht, wovon andere Menschen in ihren kühnsten Fantasien nur zu träumen wagen. Mit ihrer unvergleichlichen Anmut und eisernen Disziplin eroberte sie die Herzen von Millionen. Zwei sagenhafte Olympiasiege, ein beispielloser Weltruhm und eine bemerkenswerte Karriere, die sie aus den strengen Strukturen der Deutschen Demokratischen Republik bis in die glitzernde Traumfabrik nach Amerika führte, prägen ihre Biografie. Ihr Leben glich einem perfekt choreografierten Drehbuch, in dem charismatische Männer wie der umschwärmte Fernsehstar Richard Dean Anderson und der gefeierte Schauspieler Danny Huston prominente Rollen spielten. Selbst ein Mann wie Donald Trump versuchte einst, ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zu gewinnen. Doch trotz all dieser schillernden Begegnungen wurde keiner dieser mächtigen und berühmten Männer jemals zum dauerhaften Mittelpunkt ihrer Geschichte. Katarina Witt ist nie vor den Traualtar getreten. Sie hat niemals eigene Kinder bekommen. Und je älter die Jahrhundertsportlerin wurde, desto häufiger und aufdringlicher sah sie sich mit denselben, oft grenzüberschreitenden Fragen der Öffentlichkeit konfrontiert: Warum eigentlich nicht? Hat sie in all dem Glanz vielleicht das Wichtigste verpasst? Gab es am Ende doch jemanden, eine geheime große Liebe, von der die Welt da draußen schlichtweg nichts wusste?
Heute ist Katarina Witt sechzig Jahre alt. Wenn man an diesem runden Meilenstein auf ihr bemerkenswertes Leben zurückblickt, kristallisiert sich eine faszinierende Wahrheit heraus, die von der sensationshungrigen Öffentlichkeit viel zu lange übersehen wurde. Die wirklich entscheidende Geschichte ihres Lebens handelt nämlich gar nicht davon, wen sie hinter verschlossenen Türen liebte. Sie handelt vielmehr davon, warum sie sich mit einer fast schon übermenschlichen Konsequenz weigerte, ihr Leben nach den vorgefertigten Erwartungen und starren Normen anderer Menschen zu führen. Dieser bewundernswerte, aber auch kräftezehrende Kampf um Autonomie begann nicht erst im Blitzlichtgewitter von Hollywood. Er nahm seinen Anfang viele Jahre zuvor, in einer Welt, die keine Schwäche verzieh.
Katarina Witt war noch ein sehr junges, formbares Mädchen, als ihr Leben einen unerbittlichen und festen Rhythmus diktiert bekam. Ihre Tage bestanden aus Schule, hartem Training, noch mehr Training und endlosen Wiederholungen. Auf dem eiskalten, unbarmherzigen Eis gab es keinerlei Abkürzungen auf dem Weg an die Weltspitze. Wer fiel, der musste sofort wieder aufstehen. Wer vor Erschöpfung weinte oder müde war, der machte trotzdem weiter. Genau in dieser gnadenlosen Umgebung lernte die junge Athletin ihre wichtigste Lektion für das spätere Leben: Unter massivem Druck vollkommen ruhig zu bleiben und sich absolut nichts anmerken zu lassen. Sie perfektionierte die Kunst, eine makellose Fassade aufrechtzuerhalten. Doch in der Deutschen Demokratischen Republik war ein derartiger sportlicher Erfolg niemals nur eine rein private Angelegenheit. Wenn Katarina eine Goldmedaille gewann, wurde daraus augenblicklich ein politischer Triumph für das gesamte Land stilisiert. Ihr wunderschönes Gesicht wurde zum Aushängeschild einer ganzen Nation. Ihre Auftritte wurden mit Argusaugen beobachtet und politisch instrumentalisiert.

Je strahlender ihr Ruhm wurde, desto mehr Menschen entwickelten eine sehr genaue Vorstellung davon, wie sie sich zu verhalten, was sie zu sagen und wie sie zu sein hatte. Dieser Status brachte ihr zweifellos immense Privilegien und Möglichkeiten ein, die andere Bürger niemals auch nur erahnen konnten. Sie durfte reisen, nahm an den größten internationalen Wettbewerben der Welt teil und genoss weltweite Anerkennung. Aber all dieser Glanz hatte einen unfassbar hohen, unsichtbaren Preis: Ihr eigenes Leben gehörte ihr mit jedem Sieg ein kleines bisschen weniger. Als sie schließlich zur strahlenden Olympiasiegerin gekürt wurde, sah die Weltöffentlichkeit eine junge, wunderschöne Frau, die auf dem Eis absolut sicher, souverän und kontrolliert wirkte. Doch hinter diesem perfekten Bild verbargen sich Jahre voller Entbehrungen, unmenschlicher Disziplin und der erdrückenden Last unzähliger Erwartungen.
Dann fiel die Mauer. Die Deutsche Demokratische Republik, das Land, das sie geformt und kontrolliert hatte, verschwand von der Weltkarte. Für Katarina Witt begann schlagartig eine völlig neue, aufregende Zeitrechnung. Plötzlich gab es grenzenlose Freiheit, unzählige neue Möglichkeiten und vor allem eine völlig neue Form der unbarmherzigen Öffentlichkeit. Denn in der westlichen Medienwelt wollte man plötzlich nicht mehr nur wissen, wie sie ihre dreifachen Sprünge auf dem Eis perfektionierte. Man wollte gierig wissen, wer der Mann an ihrer Seite war, mit wem sie das Bett teilte und wen sie zu heiraten gedachte. Anfang der neunziger Jahre änderte sich für die Eiskunstläuferin somit fast alles. Sie bewegte sich nun in einer Welt, die wesentlich größer, rasend schneller und noch weitaus öffentlicher war als alles, was sie zuvor gekannt hatte.
In genau dieser hochbrisanten Phase ihres Lebens lernte sie den charmanten Richard Dean Anderson kennen. Millionen von Fernsehzuschauern verehrten ihn damals als den cleveren Serienhelden “MacGyver”. Auch Katarina war zu diesem Zeitpunkt längst ein gefeierter internationaler Superstar. Für die Regenbogenpresse und die Boulevardmedien war diese Konstellation das absolut perfekte Märchen: Die wunderschöne, exotische Eisprinzessin aus dem ehemals geteilten Deutschland und der bodenständige, gutaussehende amerikanische Fernsehheld. Doch aus einer anfänglichen, interessanten Begegnung wurde von den Medien in rasender Geschwindigkeit eine epische Liebesgeschichte konstruiert, die so vielleicht gar nicht existierte. Die gedruckten Schlagzeilen waren oftmals viel größer und dramatischer als das, was sich zwischen den beiden Menschen in der Realität tatsächlich abspielte.
Genau darin offenbarte sich das grundlegende Problem, das Witts weiteres Liebesleben prägen sollte. Katarina war durchaus in der Lage, echte Nähe zuzulassen und tiefe Gefühle zu empfinden. Aber sie weigerte sich strikt dagegen, dass aus dieser intimen Nähe sofort von der Öffentlichkeit eine unausweichliche gemeinsame Zukunft diktiert wurde. Die Beziehung zu Anderson endete schließlich ohne ein großes, dramatisches Finale. Es gab keine öffentliche Schlammschlacht, keine großen Tragödien und keine bitteren Tränen vor den Kameras. Aber diese Episode zeigte etwas überdeutlich auf, das in den folgenden Jahren immer wieder sichtbar werden sollte: Sobald auch nur der Schatten eines Mannes an ihrer Seite auftauchte, wollte die gesamte Öffentlichkeit sofort wissen, ob er für immer bleiben würde. Katarina hingegen stellte sich innerlich eine ganz andere, viel wichtigere Frage: Wollte sie selbst überhaupt, dass er blieb?

Wenig später wurde aus dieser eher abstrakten Frage eine extrem konkrete Lebensentscheidung. Denn der nächste prominente Mann in ihrem Leben brachte nicht nur intensive Gefühle mit, sondern auch einen handfesten Heiratsantrag. Später lernte Katarina Witt den talentierten Schauspieler Danny Huston kennen. Auch er stammte aus einer schillernden Welt voller Kameras, ständiger Reisen und ununterbrochener Öffentlichkeit. Doch diese neue Begegnung wirkte von Anfang an völlig anders als die medienwirksame Geschichte mit Richard Dean Anderson. Es fühlte sich weniger an wie eine kalkulierte Schlagzeile, sondern viel persönlicher, unbeschwerter und leichter. Zwischen den beiden entstand eine sehr echte, spürbare Nähe. Und irgendwann kam es zu jenem entscheidenden Moment, der unglaublich viel über Katarinas wahre Haltung zur Liebe, zur Ehe und zur Freiheit verrät.
Bei einer idyllischen, gemeinsamen Bootsfahrt soll Huston ihr völlig unerwartet einen Heiratsantrag gemacht haben. Es war eine Situation, die halb im Spaß, aber eben auch halb im Ernst gemeint war. Katarina reagierte auf ihre ganz eigene, unverwechselbare Art: Sie lachte. Für einen flüchtigen Augenblick war es einfach nur eine charmante, romantische Szene zwischen zwei erwachsenen Menschen, die sich aufrichtig mochten. Doch hinter diesem herzhaften Lachen und dem leichten Scherz stand eine zutiefst ernste, existenzielle Frage, die sie für sich beantworten musste: Wollte sie wirklich den Bund der Ehe eingehen? Für die allermeisten Menschen wäre der nächste logische Schritt in einer solchen Situation absolut klar gewesen. Man verliebt sich unsterblich, man bleibt zusammen, man heiratet und man baut irgendwann ein traditionelles gemeinsames Leben auf, komplett mit Haus und Kindern.
Katarina Witt sah dieses gesellschaftliche Skript jedoch offenbar völlig anders. Ein Mann konnte ihr unendlich wichtig sein, sie konnte ihn lieben, ohne dass daraus zwangsläufig und automatisch eine formelle Ehe werden musste. Echte Nähe bedeutete für sie keinesfalls, dass sie ihre hart erkämpfte Zukunft und ihre Unabhängigkeit restlos mit jemandem teilen musste, nur weil der Rest der Welt genau das von einer Frau erwartete. Diese geheimnisvolle Unabhängigkeit machte sie für viele Männer extrem faszinierend und begehrenswert, aber ganz sicher nicht immer zu einer einfachen Partnerin. Sie konnte unbeschwert offen sein, herzlich lachen, charmant flirten und tiefe Gefühle bedingungslos zulassen. Doch in exakt dem Moment, in dem aus dieser emotionalen Nähe eine drückende Erwartungshaltung oder gar ein Besitzanspruch wurde, zog sie eine harte, unüberwindbare Grenze.
Eine weitere, fast schon surreale Begegnung aus den wilden neunziger Jahren zeigt diese kompromisslose Haltung auf eine beinahe komische Weise. Damals kreuzte sich ihr Weg mit dem milliardenschweren Immobilienmogul Donald Trump. Dies geschah lange bevor er als Präsident der Vereinigten Staaten in die politische Weltgeschichte einging. Trump, der es gewohnt war, dass ihm die Frauen scharenweise zu Füßen lagen, war fasziniert von der schönen Deutschen und gab ihr zielstrebig seine private Telefonnummer. Er erwartete zweifellos, dass sie sich geschmeichelt fühlen würde. Doch Katarina Witt rief niemals an. Als sich ihre Wege einige Zeit später auf einem roten Teppich wieder kreuzten, soll der irritierte Trump sie tatsächlich darauf angesprochen haben. Ihre Antwort auf seine verwunderte Nachfrage war trocken, kühl und strotzte vor unangreifbarem Selbstbewusstsein. Diese Geschichte mag wie eine kleine, unbedeutende Anekdote wirken, aber sie demonstriert etwas unfassbar Wichtiges über ihren Charakter. Katarina ließ sich schlichtweg nicht leicht beeindrucken. Weder von unermesslichem Reichtum, noch von weltweitem Ruhm, noch von mächtigen Männern, die es von Geburt an gewohnt waren, jede Aufmerksamkeit sofort zu bekommen.
Doch wer bei der Analyse ihres Lebens nur auf diese berühmten Männer und die gescheiterten Romanzen schaut, der versteht noch immer nicht im Ansatz, warum sie sich für genau dieses unkonventionelle Leben entschied. Denn diese eiserne Grenze, die sie um ihr Herz zog, entstand nicht erst in den luxuriösen Villen von Hollywood. Sie war viel älter und tiefer verwurzelt. Um Katarina Witt wirklich in ihrer ganzen Komplexität zu verstehen, muss man noch einmal den Blick zurück in die Deutsche Demokratische Republik werfen. Nicht auf die glänzenden Medaillen, nicht auf die perfekten Küren, sondern auf jenes beklemmende Gefühl, ununterbrochen von einem ganzen Staat gesehen und bewertet zu werden.
Katarina war schon in sehr jungen Jahren berühmt. Das brachte ihr beispiellose Chancen, weltweite Reisen und eine enorme Anerkennung. Aber es bedeutete eben auch, dass unzählige Menschen sehr genau und kritisch darauf achteten, wie sie auftrat, was sie in Interviews sagte und welches makellose Bild sie nach außen hin vermittelte. Ihr gewaltiger Erfolg gehörte ihr in diesem System niemals nur allein. Wenn sie triumphierte, wurde daraus sofort ein Triumph für die Überlegenheit des sozialistischen Landes gemacht. Das machte sie zwar zu einer der wichtigsten Personen der Republik, aber es setzte sie auch unter einen unmenschlichen, fast erdrückenden Druck. Schon als junge Frau musste sie auf die harte Tour lernen, dass gigantischer Ruhm immer zwei bittere Seiten hat. Er öffnet einem zwar die prunkvollsten Türen der Welt, aber er sorgt leider auch dafür, dass völlig fremde Menschen plötzlich glauben, ein ungeschriebenes Recht auf dein intimstes Leben zu haben.
Als dann die Mauer fiel und die alte, restriktive Ordnung endgültig verschwand, begann für Katarina eine aufregende, neue Zeit. Sie konnte nun freier reisen, lukrative neue Projekte annehmen und endlich selbst bestimmen, in welche Richtung ihre Karriere weitergehen sollte. Doch eine Konstante blieb unerbittlich bestehen: Die unersättliche Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Nur die Art der bohrenden Fragen hatte sich geändert. Wollte man früher wissen, ob sie den entscheidenden Wettbewerb gewinnt, so wollte man später wissen, wen sie liebt. Ob sie bald in einem weißen Kleid heiraten würde. Ob sie sich sehnlichst Kinder wünschte. Ob endlich ein starker Mann einen festen, dauerhaften Platz in ihrem Leben bekommen würde.
Genau an diesem Punkt wird ihre biografische Geschichte so unglaublich spannend und inspirierend. Vielleicht ging es Katarina Witt in Wahrheit nie darum, romantische Beziehungen kategorisch abzulehnen oder aus Angst vor Bindung wegzulaufen. Vielleicht ging es ihr ihr ganzes Leben lang vielmehr nur darum, eine unsichtbare, aber lebenswichtige Grenze zu schützen. Ein großer Teil ihres Lebens durfte und sollte öffentlich sein – das war ihr Beruf. Der andere, der private Teil, jedoch absolut nicht. Und diese schützende Grenze wurde mit den verstreichenden Jahren immer wichtiger für ihr emotionales Überleben. Denn je weniger sie über ihr Privatleben verriet, desto lauter und wilder wurde darüber in den Medien spekuliert. Je weniger Gerüchte sie offiziell bestätigte oder dementierte, desto größer und fantastischer wurden die Geschichten, die man sich über sie erzählte. Jeder männliche Begleiter an ihrer Seite, egal ob Freund oder flüchtiger Bekannter, konnte plötzlich in den Gazetten zum möglichen Lebenspartner stilisiert werden. Jede noch so kleine Geste der Nähe bekam von außen sofort eine tiefe Bedeutung zugeschrieben, die Katarina selbst ihr vielleicht niemals gegeben hatte.
So wurde der Begriff “Freiheit” für die Eiskunstläuferin nicht nur zu einem schönen, hohlen Wort aus politischen Reden, sondern zu einer extrem konkreten, täglichen Praxis: Selbst zu entscheiden, vollkommen selbst zu wählen und sich nicht jedes verdammte Mal vor der Welt rechtfertigen zu müssen, warum sie genau diesen Weg gewählt hatte. Doch genau diese absolute Kompromisslosigkeit hatte natürlich einen Preis. Denn wer als Frau den Mut besitzt, sein Leben nicht nach den klassischen Erwartungen der Gesellschaft zu führen, der muss sich irgendwann immer und immer wieder dieselbe übergriffige Frage anhören: Was fehlt dir eigentlich zum vollkommenen Glück?
Mit den fortschreitenden Jahren änderten sich die Nuancen dieser Fragen. Früher wollte die Welt wissen, ob Katarina Witt noch einmal eine Goldmedaille gewinnen würde. Später ging es in fast jedem Interview immer öfter um etwas völlig anderes: Warum ist eine so begehrenswerte Frau nicht verheiratet? Warum hat sie keine eigenen Kinder in die Welt gesetzt? Gibt es vielleicht doch irgendwo einen geheimen Mann, den niemand kennt? Und hat sie es in stillen Stunden irgendwann bereut, ihr Leben so völlig anders gelebt zu haben als so viele Millionen Frauen ihrer Generation? Diese eindringlichen Fragen verschwanden niemals ganz. Sie kamen wie ein lästiges Echo immer wieder zurück. Genau darin lag ein Teil des hohen Preises, den sie für ihr Leben nach völlig eigenen Regeln zahlen musste.
Katarina hatte zwei sensationelle Olympiasiege, sagenhafte Weltmeistertitel und eine einzigartige internationale Karriere hinter sich. Und trotzdem wurde der Wert ihres Lebens von Kritikern oft an Dingen gemessen, die sie ganz bewusst nicht gewählt hatte: Ein Ehemann, Kinder, ein klassisches, bürgerliches Familienbild. Aber Katarina machte aus dieser Diskrepanz niemals ein großes öffentliches Drama. Sie erklärte nicht in Talkshows ständig, warum ihr gewählter Lebensweg der richtige war. Sie versuchte auch nicht krampfhaft, andere Menschen von ihrer Philosophie zu überzeugen. Sie tat etwas viel Eindrücklicheres: Sie lebte einfach weiter.
Natürlich gab es über die Jahrzehnte hinweg immer wieder neue Gerüchte über prominente Männer an ihrer Seite. Manche klangvollen Namen tauchten kurz im grellen Blitzlicht auf und verschwanden genauso schnell wieder im Dunkeln. Vieles von dem, was geschrieben wurde, wurde von ihr nie offiziell bestätigt oder dementiert. Und paradoxerweise wurde die Öffentlichkeit genau deshalb immer neugieriger, je vehementer Katarina schwieg. Vielleicht war exakt diese eiserne Verschwiegenheit ihre allerhärteste und wichtigste Grenze. Fast ihr gesamtes Leben hatte sie ungeschützt vor einem Millionenpublikum gestanden. Die Menschen auf der ganzen Welt kannten ihre triumphalen Erfolge, ihre strahlenden Bilder, ihre schillernden Kostüme und ihre perfekten Auftritte. Doch ihr intimes Privatleben behandelte sie wie ein heiliges Refugium. Nicht alles sollte und durfte öffentlich werden. Nicht jede neugierige Frage musste beantwortet werden. Dieses bewusste Schweigen war keineswegs ein versteckter Beweis für tiefe Einsamkeit und auch kein Beweis für heimliche Reue. Es war schlicht und ergreifend eine souveräne Entscheidung.
Heute, an ihrem sechzigsten Geburtstag, wirkt diese konsequente Entscheidung vielleicht noch viel klarer und beeindruckender als in ihren jüngeren Jahren. Denn nun geht es in den Artikeln nicht mehr primär darum, welcher neue Mann noch an ihrer Seite auftauchen könnte. Es geht um eine viel tiefgründigere, existenzielle Frage: Wenn Katarina Witt heute auf all die Jahrzehnte zurückblickt, würde sie ihr Leben wieder exakt genauso leben?
Mit sechzig Jahren blickt Katarina Witt auf eine epische Lebensreise zurück, auf der sich fast alles um sie herum grundlegend verändert hat. Die Deutsche Demokratische Republik, das Land ihrer strengen Jugend, existiert längst nicht mehr. Ihre großen, nervenzerreißenden Wettkämpfe auf dem Eis liegen bereits Jahrzehnte in der Vergangenheit. Die berühmten Männer, über die die Presse früher so ausufernd geschrieben hat, gehören heute zur abgelegten Vergangenheit. Aber geblieben ist etwas viel Wertvolleres: Katarina hat ihr Leben niemals nach einem fremden Plan geführt, den andere, mächtigere Menschen für sie geschrieben hatten. Sie heiratete nicht, nur weil es die Gesellschaft ab einem bestimmten Alter von ihr erwartete. Sie gründete keine Familie, nur damit ihr Leben von außen betrachtet vermeintlich vollständiger und normaler wirkte. Und sie öffnete die Türen zu ihrem Privatleben niemals vollständig, nur weil die gierige Öffentlichkeit so unersättlich neugierig war.
Das bedeutet im Umkehrschluss keineswegs, dass romantische Beziehungen für sie völlig unwichtig oder bedeutungslos waren. Es bedeutet lediglich, dass sie diesen Beziehungen niemals die ultimative Macht darüber gab, ihr gesamtes Leben, ihre Identität und ihre Zukunft zu bestimmen. Vielleicht ist genau diese unglaubliche innere Stärke die wahre Antwort auf all die Fragen, die sie so viele Jahre lang wie ein Schatten begleitet haben. Nicht jeder Mensch braucht zwingend dieselben gesellschaftlichen Stationen, um glücklich zu sein. Nicht jeder Lebensweg muss am Ende gleich und vorhersehbar aussehen. Man kann Katarinas unkonventionelle Entscheidungen mögen oder man kann sie kritisieren, aber eines lässt sich beim besten Willen nicht übersehen: Katarina Witt hat sehr früh und auf die denkbar härteste Tour gelernt, unter den ständigen, kritischen Augen anderer zu leben. Und vielleicht hat sie gerade aus diesem extremen Druck heraus später so pedantisch genau darauf geachtet, wer am Ende über ihr privates, verletzliches Leben bestimmen durfte. Die Antwort darauf war fast immer dieselbe: Sie ganz allein.
Damit verändert sich auch die große, anfängliche Frage der Journalisten komplett. Vielleicht ging es in all den Jahren nie wirklich darum, welchen Mann Katarina Witt am Ende gewählt hat. Sondern es ging einzig und allein darum, welchen essenziellen Teil ihres Lebens sie niemals, unter gar keinen Umständen, anderen Menschen überlassen wollte.
Wenn man sich heute alte Videoaufnahmen von Katarina Witt ansieht, scheint vieles aus dieser Ära unendlich weit entfernt zu sein. Die dramatische Musik, die paillettenbesetzten Kostüme, die riesigen, ausverkauften Hallen, die wehenden Fahnen eines Landes, das politisch längst nicht mehr existiert. Doch sobald die Kamera zeigt, wie sie mit weichen Bewegungen auf das Eis fährt, ist dieses alte, magische Bild sofort wieder präsent. Tausende Menschen schauen gebannt zu. Jeder einzelne ihrer Schritte wird genauestens beobachtet, jeder kleine Fehler sofort registriert, jede Bewegung von strengen Punktrichtern bewertet. Später, als die aktive Karriere beendet war, geschah mit ihrem Privatleben etwas auf erschreckende Weise Ähnliches. Nur ging es irgendwann nicht mehr um technische Noten, B-Noten und goldene Medaillen. Die Menschen und die Medien bewerteten stattdessen ihre Liebesbeziehungen. Sie fragten bohrend nach einem Ehemann, nach potenziellen Kindern und nach den verschiedenen Männern, die in ihr Leben traten und wieder verschwanden. Immer und immer wieder wurde öffentlich und ungeniert darüber debattiert, ob in ihrem glamourösen Leben am Ende nicht vielleicht doch etwas Essenzielles fehlte.
Katarina Witt musste im Laufe ihrer Karriere unglaublich vieles mit der unersättlichen Öffentlichkeit teilen. Ihre größten, emotionalsten Siege, ihre bittersten Tränen nach Niederlagen, ihre politische Vergangenheit. Einen kleinen, aber entscheidenden Teil jedoch behielt sie mit eiserner Entschlossenheit nur für sich allein: Die absolute Entscheidungsgewalt darüber, wie sie lieben und wie sie leben wollte. Heute, mit sechzig Jahren, wirkt gerade dieser stille Widerstand unglaublich bemerkenswert. Nicht, weil ihr gewählter Weg der universell richtige für jeden Menschen sein muss. Sondern ganz einfach deshalb, weil es unbestreitbar ihr eigener, selbstbestimmter Weg war.
Auf dem kalten Eis konnten Kampfrichter und Zuschauer ihre Leistung bewerten und aburteilen. Außerhalb der Eisbahn, im echten Leben, verwehrte sie ihnen dieses Recht konsequent. Vielleicht war also genau das nie das große, dunkle Geheimnis hinter dem Mythos Katarina Witt. Vielleicht wollten und konnten viele Menschen in einer traditionell geprägten Gesellschaft schlichtweg nicht akzeptieren, dass eine so schöne und erfolgreiche Frau absolut keine Ehe und keine Kinder brauchte, um ihr Leben als vollkommen und tief erfüllt zu betrachten. Am Ende bleibt deshalb nicht die banale Frage stehen, welchen berühmten Mann sie wirklich am meisten liebte. Es bleibt das beeindruckende Vermächtnis und die inspirierende Geschichte einer starken Frau, die sich zwar von Millionen Menschen beobachten, feiern und kritisieren ließ, aber die wichtigste Entscheidung ihres Daseins niemals aus der Hand gab: Die uneingeschränkte Entscheidung über ihr eigenes, freies Leben.