Hinter der Fassade von Professor Brinkmann: Das tragische Schicksal des Klausjürgen Wussow

Es ist der 28. Oktober 1985. Ein Samstagabend, wie ihn Deutschland noch nie erlebt hat. Millionen Menschen sitzen vor ihren Fernsehgeräten, das Wohnzimmer wird zum stillen Ort der Andacht. Als die ersten Töne der Melodie der „Schwarzwaldklinik“ erklingen, wissen 28 Millionen Zuschauer, dass jetzt die Welt in Ordnung ist. Auf den Fluren dieses Krankenhauses wandelt ein Mann, der in den kommenden Jahren zum Inbegriff deutscher TV-Kultur werden sollte: Professor Klaus Brinkmann, verkörpert von Klausjürgen Wussow. Mit ruhigen Händen, einer sanften Stimme und der Autorität eines Mannes, der alles im Griff hat, wurde Wussow zum Trostspender einer ganzen Nation. Doch während er auf dem Bildschirm Leben rettete und Probleme löste, zerbrach sein eigenes Leben in tausend Scherben.

Die Diskrepanz zwischen der öffentlichen Figur Professor Brinkmann und dem Menschen Klausjürgen Wussow hätte nicht größer sein können. Wenn die Kameras ausgingen, wenn die Scheinwerfer in der Schwarzwaldklinik erloschen, blieb ein Mann zurück, der zeitlebens auf der Suche nach einer Heimat war, die er nie fand. Vier Ehen, vier Kinder und am Ende ein einsames Sterben im Pflegeheim, begleitet von Schulden in Millionenhöhe – das ist das Vermächtnis einer Ikone, deren Absturz so dramatisch war wie ihr kometenhafter Aufstieg.

Um zu verstehen, wer Klausjürgen Wussow wirklich war, muss man den Blick weit zurückwerfen. Geboren im Jahr 1929 in Kammin in Pommern, wuchs er in einer Welt auf, die vom Krieg und Zerstörung gezeichnet war. Der frühe Verlust des Vaters im Jahr 1939 und die Flucht vor der näher rückenden Front prägten ihn zutiefst. Als 16-jähriger Melder in den letzten Kriegstagen erlebte er den Zusammenbruch eines ganzen Landes, eine Erfahrung, die eine tiefe Spur in seiner Seele hinterließ. Er wollte Arzt werden, doch das Schicksal – oder vielmehr der politische Druck in der damaligen DDR – verwehrte ihm diesen Weg. Ohne Abitur, ohne Studium blieb ihm nur die Bühne. Dass er als Schauspieler einen Arzt spielte, war die Ironie einer Karriere, die stets vom Wunsch nach einer verlorenen Identität getrieben war.

Sein Gesicht, gekennzeichnet durch eine Iris-Heterochromie – ein braunes und ein grünes Auge –, verlieh ihm eine Aura des Geheimnisvollen. „Die Bühne ersetzt für uns Schauspieler die Couch des Psychiaters“, sagte er einmal. Es war ein Satz, der sein gesamtes Leben zusammenfasste. Er war ein Meister der Maske, doch unter der Maske blieb der Junge aus Pommern einsam. Seine erste Ehe mit Jolande Franz, die 1954 die gemeinsame Tochter Konstanze hervorbrachte, scheiterte nach neun Jahren. Für Wussow war es der Beginn eines Musters, das sich wie ein roter Faden durch sein Leben ziehen sollte: Er suchte das Neue, um das Alte zu vergessen, und ließ das Alte zurück, als wäre es bloßer Ballast.

Mit Ida Krottendorf, seiner zweiten Frau, fand er in Wien ein scheinbares Familienglück. 31 Jahre lang dauerte diese Ehe, geprägt von den Geburten der Kinder Barbara und Alexander. Doch hinter der Fassade der Vornehmheit in Wien-Döbling wuchs die Distanz. Als das ZDF 1985 mit der „Schwarzwaldklinik“ anklopfte, änderte sich alles. Barbara Wussow, gegen den Willen des Vaters, wurde ebenfalls Schauspielerin und fand durch die Serie ihren Weg in die Herzen der Zuschauer. Es war ein absurdes Theater: Vater und Tochter spielten vor 28 Millionen Menschen, während sich privat die Risse in der Familie vertieften.

Dass Gaby Dohm und Klausjürgen Wussow während der Dreharbeiten tatsächlich eine Affäre hatten, wie Jahre später bekannt wurde, war nur ein weiteres Kapitel in einem Leben, das von Unbeständigkeit geprägt war. Der 1990 gegründete „Fair Press“-Verein gegen die Boulevardpresse war ein verzweifelter Versuch, die Kontrolle über sein Leben zu behalten, während er gleichzeitig seine Frau Ida für eine jüngere Geliebte verließ. Mit der Scheidung im Jahr 1991 begann der endgültige Bruch mit seinen Kindern Barbara und Alexander. Die Funkstille dauerte Jahre, ein Graben, der mit jedem öffentlichen Kommentar in der Bild-Zeitung tiefer wurde. Als seine Frau Ida 1998 starb, blieb Wussow der Beerdigung fern – ob ausgeschlossen oder aus eigenem Entschluss, blieb ungeklärt. Doch seine darauf folgenden Angriffe in den Medien, kurz nach ihrem Tod, ließen keinen Zweifel daran, wie sehr die gegenseitige Verletzung das Bild dieser Familie prägte.

Sein Leben mit Yvonne Viehöver, der dritten Ehefrau und Mutter seines Sohnes Benjamin, endete in einer Schlammschlacht, die in den Boulevardzeitungen so detailliert ausgebreitet wurde wie ein schlechter Fernsehfilm. Unterhaltstreitigkeiten, Anschuldigungen und der bittere Vorwurf, er habe sein eigenes Kind verleugnet, machten aus einem gefeierten Star einen Mann, dessen intimste Unterhosen öffentlich verhandelt wurden. „Wer sich einmal mit dem Boulevard einlässt, kommt unter Umständen in ihm um“, erkannte er selbst – doch er konnte nicht aufhören, sich von der Aufmerksamkeit ernähren zu lassen.

Das letzte Kapitel seines Lebens war das düsterste. Mit Sabine Scholz, der Witwe des verstorbenen Boxers Bubi Scholz, ging er seine vierte Ehe ein. Die Parallelen zwischen den beiden Männern, die beide an ihrer Seite demenzkrank wurden, lösten Entsetzen aus. „Erleidet Wussow das gleiche Schicksal wie Bubi Scholz?“, fragte die Bild-Zeitung. Fotos, die sie in fast identischen Posen neben dem dementen Wussow zeigten, ließen wenig Raum für Interpretationen. Es war das Ende eines Mannes, der einmal das ganze Land geheilt hatte und nun selbst auf Pflege angewiesen war, isoliert in einem Hamburger Keller, wie man später behauptete.

Als er am 19. Juni 2007 im Alter von 78 Jahren starb, hatte er bereits alles verloren: seine Staatsbürgerschaft, seinen Pensionsanspruch, seine Ehefrauen, die Zuneigung seiner Kinder und letztlich seinen Ruf. Er starb in einem Krankenhaus, während Yvonne, seine dritte Frau, nur Monate zuvor an Krebs verstorben war. Benjamin, ihr gemeinsamer Sohn, blieb als Vollwaise zurück – ein Schicksal, das heute wie eine bittere Pointe auf einer langen Geschichte des Scheiterns liegt.

Warum konnte Klausjürgen Wussow keine dieser Frauen halten? Warum brach der Kontakt zu allen vier Kindern ab, bevor er erst kurz vor seinem Ende teilweise wieder geknüpft werden konnte? Vielleicht liegt die Antwort in der Heimatlosigkeit, die ihn seit seiner Flucht 1945 nie verließ. Er war ein Mann, der in jedem Schaufenster ein neues Leben sah, das er kaufen wollte, aber als er es hatte, erkannte er, dass er gar nicht wusste, wie man in einem echten Heim lebt. Er spielte den Professor Brinkmann mit einer Brillanz, die auf der Liebe eines Landes beruhte, das in ihm eine Vaterfigur sah. Doch seine eigenen Kinder sahen in ihm einen Mann, der immer woanders sein wollte – hinter einer Kamera, auf einer Bühne, in einer anderen Ehe.

Heute, wenn man auf das Leben des Klausjürgen Wussow zurückblickt, bleibt nicht nur der Ruhm der „Schwarzwaldklinik“. Es bleibt die Geschichte eines Menschen, der durch den Spiegel seines Erfolgs blind geworden war für die Realität um ihn herum. Dass seine Kinder, allen voran Barbara, am Ende ihren Frieden mit ihm fanden und Alexander heute als Maler in Wien arbeitet, ist die einzige versöhnliche Note in einem ansonsten verstörenden Porträt. Die Versöhnung, die 2021 stattfand, als die Villa in Wien-Döbling verkauft wurde, war das endgültige „Aus“ für ein Kapitel, das für die Familie Wussow eigentlich viel zu lang gedauert hatte.

Der Mann aus Pommern, der so sehr Arzt werden wollte, fand sein Ende als Patient. Der Mann, der Millionen zum Lächeln brachte, starb einsam und verschuldet. Das ist keine Tragödie von Shakespeare-Ausmaßen, es ist die traurige Realität eines Lebens, das den Ruhm als Ersatz für das wahre Leben missverstanden hatte. Wenn man heute an Klausjürgen Wussow denkt, dann sollte man nicht nur das weiße Arztkostüm sehen, sondern den Mann, der in den Glocken seiner Geburtsstadt Kamin, die er nie wieder sah, das Echo seines eigenen verlorenen Lebens hörte. Er blieb ein Volltrottel, wie er selbst sagte – nicht, weil er dumm war, sondern weil er nie lernte, das Wahre vom Schein zu unterscheiden.

Was bleibt? Am Ende blieben drei Frauen, die sich am Tag seiner Beerdigung in der Gedächtniskirche in Berlin trafen. Jolande, die erste Frau, Sabine, die letzte Frau, und Konstanze, die Tochter. Es war ein Bild der Versöhnung über den Gräbern, das Wussow selbst nie erreichte. Vielleicht ist das die wichtigste Lektion, die wir von ihm lernen können: Dass man nicht auf den Applaus der Massen warten muss, um Frieden zu finden. Der Vorhang ist längst gefallen. Professor Brinkmann ist Geschichte, aber der Junge aus Pommern findet nun hoffentlich die Ruhe, die ihm zu Lebzeiten stets verwehrt blieb. Er war eine Legende, doch der Preis, den er dafür zahlte, war alles, was ein Mensch am Ende wirklich besitzt: seine eigene Würde und den Halt derer, die er am meisten hätte lieben sollen.

Es ist eine Einladung, heute die eigenen Liebsten zu umarmen und sich daran zu erinnern, dass hinter jedem Gesicht, das wir im Fernsehen bewundern, ein Mensch steht, der genauso zerbrechlich ist wie wir selbst. Klausjürgen Wussow war kein Gott, kein Heiliger und auch kein Professor. Er war ein Wanderer auf der Suche nach einem Licht, das immer eine Sekunde zu spät anging. Ein letztes Mal ertönen die Glocken von Kamin – und wir schauen zu, wie ein Vorhang fällt, hinter dem so viel Licht und so viel Schatten lagen, dass es für ein ganzes Leben niemals reichte.

Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

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