Das verborgene Leben des Fred Delmare: Was die Schauspiellegende vor ihren Kollegen verheimlichte und warum sein kulturelles Erbe unsterblich bleibt

Die Welt des Films und des Fernsehens wird oft von strahlenden Hauptdarstellern, großen Namen auf leuchtenden Plakaten und exzentrischen Persönlichkeiten dominiert, die das grelle Rampenlicht suchen und genießen. Doch die wahre Seele eines Films, die emotionale Tiefe und die unauslöschliche Glaubwürdigkeit einer Geschichte, wird nicht selten von jenen Darstellern getragen, die eher im Hintergrund agieren. Ein Mann, der diese Kunst der prägnanten Nebenrolle wie kaum ein anderer im deutschen Sprachraum perfektionierte, war der unvergleichliche Fred Delmare. Wenn man heute, viele Jahre nach seinem Tod, die Weggefährten und Kollegen nach ihm fragt, entsteht das Bild eines außergewöhnlichen Künstlers und eines faszinierenden Menschen, der weit mehr war als nur der schrullige, kleine Mann am Bildrand. Delmares Karriere erstreckte sich über mehr als ein halbes Jahrhundert. Er wirkte in über zweihundert Filmen mit und prägte die kulturelle Identität von Generationen. Doch hinter der Maske des freundlichen Kollegen, der stets pünktlich am Set erschien und mit altmodischem Charme Handküsse verteilte, verbarg sich ein tiefes Geheimnis und eine dramatische Vergangenheit, von der selbst seine engsten Vertrauten jahrzehntelang nichts ahnten. Dieser Artikel beleuchtet die wahren Geschichten, die tiefen Emotionen und die ungesehenen Schatten im Leben einer wahren Ikone der deutschen Fernsehgeschichte.

Um die schauspielerische und menschliche Größe von Fred Delmare wirklich zu begreifen, muss man den Stimmen derer lauschen, die mit ihm vor der Kamera standen. Als am ersten Mai des Jahres zweitausendneun die traurige Nachricht vom Tode Delmares die Runde machte, dauerte es nur wenige Stunden, bis sich zahlreiche prominente Weggefährten voller Trauer und tiefem Respekt zu Wort meldeten. Unter ihnen befand sich keine Geringere als die DEFA-Legende Herbert Köfer. Köfers Worte über Delmare glichen einem Ritterschlag in der Welt des Films. Er betonte, dass Delmare einer der ganz wenigen Schauspieler gewesen sei, die das seltene Talent besaßen, einen gesamten Film mit nur einer einzigen, winzigen Szene zu retten und zum Erfolg zu führen. Köfer, der selbst mit allen großen Stars der damaligen Zeit gearbeitet hatte, wusste genau, wovon er sprach. Delmare brauchte keine epischen Monologe oder ausschweifenden Dialoge, um sich in das Gedächtnis des Publikums einzubrennen. Ein kurzer, aber unglaublich prägnanter Auftritt als Möbelpacker in Egon Günthers berühmtem Meisterwerk “Der Dritte” reichte völlig aus. Noch unvergesslicher wurde seine Darstellung des Reifensaft in dem absoluten Kultfilm “Die Legende von Paul und Paula”. Diese Figur war eigentlich nur als Randerscheinung konzipiert, doch Delmare hauchte ihr so viel Leben und Authentizität ein, dass sie vielen Zuschauern bis zum heutigen Tag präsenter ist als so manche gefeierte Hauptrolle jener filmischen Epoche.

Diese Einschätzung war keineswegs ein vereinzeltes Kompliment unter Kollegen. Auch Peter Sodann, der dem gesamtdeutschen Publikum später vor allem als mürrischer Leipziger Tatortkommissar bekannt wurde und ebenfalls auf unzählige DEFA-Produktionen zurückblicken konnte, fand bewegende Worte des Abschieds. Er drückte die tröstliche Hoffnung aus, dass sein langjähriger Kollege nun die große Brücke sicher überquert und den Himmel der Schauspieler erreicht habe. Es war ein stiller, respektvoller Gruß von einem Leipziger Urgestein zum anderen, geprägt von einer tiefen Verbundenheit, die sich über Jahrzehnte der gemeinsamen Arbeit entwickelt hatte. Die renommierte Schauspielerin Annekathrin Bürger, die das Privileg hatte, mit Fred Delmare in gleich mehreren internationalen Produktionen gemeinsam vor der Kamera zu stehen, erinnerte sich an jede einzelne Begegnung als eine Quelle der großen Freude. Sie beschrieb ihn in ihren Rückblicken als einen überaus liebenswerten, charmanten und warmherzigen Kollegen. Diese gesammelten Aussagen bilden einen faszinierenden Kontrast zu jenem Bild, das viele Kritiker und Zuschauer fälschlicherweise von ihm hatten. In der öffentlichen Wahrnehmung war er oft auf die Rolle des kauzigen, kleinen Mannes abonniert, der nie den Weg ins ganz große Rampenlicht fand. Im starren System der DEFA in den siebziger und achtziger Jahren gab es für herausragende Charakterdarsteller wie ihn paradoxerweise keine eigene, würdigende Kategorie. Auf den Filmplakaten prangten stets die großen Namen der Hauptdarsteller, während Akteure wie Delmare oft nicht einmal namentlich Erwähnung fanden. Und doch wussten alle Regisseure, Produzenten und Kollegen: Es war genau diese unverzichtbare zweite Reihe, die den Filmen ihre Seele, ihre Menschlichkeit und ihre unerschütterliche Glaubwürdigkeit verlieh.

Für eine völlig andere, deutlich jüngere Generation von Zuschauern und Schauspielern begann die Geschichte von Fred Delmare jedoch nicht in den glorreichen Zeiten der DEFA-Studios, sondern im wiedervereinigten Deutschland, genauer gesagt in den Kulissen der Erfolgsserie “In aller Freundschaft”. Sechs Jahre lang, von Folge fünfundzwanzig bis hin zur Folge zweihundertsechsundneunzig, verkörperte er den liebevollen und weisen Opa Friedrich in der fiktiven Sachsenklinik. Für die meisten seiner dortigen Kollegen war er längst eine lebende Legende, ein Stück personifizierte Kulturgeschichte, das jeden Tag pünktlich und ohne die geringsten Starallüren am Set erschien. Jutta Kammann, die dem Fernsehpublikum als resolute Oberschwester Ingrid ans Herz gewachsen ist, erinnerte sich an Delmare als einen geradezu wunderbaren Kollegen, der trotz seines hohen Alters und seiner enormen Erfahrung die Neugier und die Frische eines kleinen Jungen bewahrt hatte. Er sei für jeden einzelnen Dreh stets makellos vorbereitet gewesen. Ihre emotionale Ankündigung, ihn für immer in ihr tägliches Abendgebet aufzunehmen, zeugt von einer spirituellen und menschlichen Tiefe, die weit über das übliche, oft floskelhafte Nachrufvokabular der Unterhaltungsbranche hinausgeht.

Auch Jaecki Schwarz, den viele vor allem als knurrigen Ermittler aus dem “Polizeiruf 110” kennen, fand sehr deutliche und bewundernde Worte. Er wies treffend darauf hin, dass es gefühlt keinen einzigen DEFA-Film gegeben habe, in dem dieser umtriebige, kleine Mann nicht irgendwo auftauchte. Delmare sei immer in Bewegung gewesen, ein ständiger und verlässlicher Begleiter durch die deutsche Filmgeschichte, den Schwarz als Kollegen zutiefst schätzte. Cheryl Shepard, die in der Serie die Rolle der Ärztin Dr. Eichhorn spielte, beschrieb ihn liebevoll als einen Mann von echtem, altem Schrot und Korn. Seine Angewohnheit, am Set charmante Handküsse an die Damen zu verteilen, wirkte wie ein nostalgischer Gruß aus einer längst vergangenen, eleganteren Epoche. Dieter Bellmann, der über sechzehn Jahre lang den Chefarzt Professor Simoni verkörperte, ging in seiner persönlichen Erinnerung noch einen entscheidenden Schritt weiter. Er habe Delmare nicht nur als exzellenten Kollegen geschätzt, sondern ihn im Laufe der langen gemeinsamen Jahre als echten, loyalen Freund gewonnen. Udo Schenk, bekannt als der scharfzüngige Dr. Kaminski, offenbarte eine rührende Anekdote aus seiner eigenen Vergangenheit. Er erzählte, dass er Delmare schon in seiner eigenen Kindheit aus den legendären DEFA-Indianerfilmen bewundert habe. Sein größter Wunsch sei es damals gewesen, einmal ein Foto mit seinem Idol machen zu dürfen. Aus dem kleinen, staunenden Fan wurde Jahrzehnte später ein gleichberechtigter Kollege, der jedoch nie aufhörte, zu dem älteren Herrn aufzuschauen und in ihm den Helden seiner Kindheitstage zu sehen. Diese gesammelten Stimmen der jüngeren Kollegen zeichnen das Bild eines extrem warmherzigen, bescheidenen und zutiefst respektierten Menschen, der nicht wegen seines einstigen Ruhms, sondern wegen seines täglichen, mitmenschlichen Umgangs geliebt wurde.

Doch dieses idyllische Bild des friedvollen, in sich ruhenden älteren Herrn war bei Weitem nicht die ganze Wahrheit. Es gab eine Seite in Fred Delmares Leben, ein dunkles und bedrohliches Kapitel, von dem die meisten seiner jüngeren Kollegen an der Sachsenklinik absolut nichts wussten, weil er es konsequent verschwieg. Um dieses Geheimnis zu verstehen, muss man die Uhr weit zurückdrehen, bis zum siebzehnten Juni des Jahres neunzehnhundertdreiundfünfzig. An diesem historischen Datum, mitten in den heftigen politischen Unruhen und Arbeiteraufständen, die auch die Stadt Leipzig erfassten, geriet der damals erst einunddreißigjährige Schauspieler massiv ins Fadenkreuz der staatlichen Behörden der jungen DDR. Man warf ihm allen Ernstes vor, öffentlich zur Gewalt gegen den Staat aufgerufen zu haben. Es war ein Vorwurf, der in jenen politisch extrem angespannten Zeiten das sofortige Ende einer Karriere, den Verlust der Freiheit oder gar Schlimmeres hätte bedeuten können. Nur aus einem eklatanten Mangel an stichhaltigen Beweisen kam es letztlich nie zu einer formellen Verurteilung vor Gericht. Doch der Makel des Verdachts blieb an ihm haften. Die damalige Theaterleitung begegnete dem jungen Schauspieler danach jahrelang mit unverhohlenem, kaltem Misstrauen.

Keiner der Kollegen, die viele Jahrzehnte später so warmherzig über ihn sprachen – weder Jutta Kammann, noch Jaecki Schwarz, Dieter Bellmann oder Udo Schenk – erwähnte diese dramatische Episode auch nur mit einem einzigen Wort. Höchstwahrscheinlich deshalb, weil Fred Delmare selbst niemals darüber sprach. Wer als junger, aufstrebender Schauspieler in den neunziger Jahren zu ihm an das Filmset kam, lernte nur den charmanten, älteren Herrn kennen, der beruhigende Präsenz ausstrahlte und Handküsse verteilte. Niemand sah in ihm den einstigen, verdächtigten jungen Mann, der den unerbittlichen Druck eines totalitären Systems am eigenen Leib zu spüren bekommen hatte. Diese scharfe Trennung zweier Lebensphasen durch fast vier Jahrzehnte des Schweigens liefert vielleicht die eindringlichste psychologische Erklärung dafür, warum so viele seiner späteren Kollegen ihn als derart zurückhaltend, extrem bescheiden und niemals den Vordergrund suchend beschrieben. Fred Delmare hatte in seinen frühen Jahren auf schmerzhafte Weise lernen müssen, wie gefährlich Aufmerksamkeit sein kann und wie rasant schnell aus anfänglicher Bewunderung tiefes staatliches Misstrauen erwachsen kann. Der bewusste Rückzug an den scheinbar sicheren Rand des Bildes, die Konzentration auf die kleinen, aber markanten Rollen, war womöglich nicht nur eine künstlerische Entscheidung, sondern tief im Inneren auch eine überlebenswichtige, schützende Strategie in einem unberechenbaren politischen System.

Trotz dieser verborgenen Narben und seiner immensen Arbeitsleistung blieben ihm die Schatten am Ende seines langen Lebens bedauerlicherweise nicht erspart. Nicht jede Erinnerung der Kollegen war von Leichtigkeit und Nostalgie geprägt. Der überaus renommierte Schauspieler Günter Naumann sprach in bemerkenswerter, fast schon schmerzhafter Offenheit über die dunklen, letzten Jahre, die Delmare durchmachen musste. Naumann erklärte, dass nach allem, was zuletzt mit seinem Freund geschehen war, der endgültige Abschied fast schon einer erlösenden Befreiung gleichgekommen sei. Diese ehrlichen Worte schneiden tief, weil sie auf die grausame Realität einer unaufhaltsamen Krankheit anspielen. Kein Kollege versuchte an diesem Punkt etwas zu beschönigen. Nach seinen allerletzten Dreharbeiten im späten November des Jahres zweitausendfünf zog sich Delmare fast vollständig aus der Öffentlichkeit zurück. Sein Verstand trübte sich ein, und er verschwand zunehmend in seiner ganz eigenen, unzugänglichen Welt. Genau dieses tragische Ende macht die warmen Worte der Kollegen, die Erinnerungen an die Handküsse und die stillen Abendgebete umso wertvoller und emotional berührender. Uta Schorn, die in der Sachsenklinik die couragierte Sekretärin Barbara Grigoleit spielte, brachte es auf eine sehr tröstliche Art und Weise auf den Punkt. Sie erklärte, dass es angesichts seiner schweren letzten Jahre vielleicht in Ordnung und ein Segen gewesen sei, dass er am Ende in seiner eigenen Welt leben durfte, geschützt vor der harten Realität. Sie betonte stolz, dass dieser Mann ein massives, unverrückbares Stück Kulturgeschichte geschrieben habe. Genau diese Gewissheit, so Schorn, müsse der größte Trost für alle Hinterbliebenen und Fans sein. Andrea Kathrin Loewig ergänzte diese Gedanken passend und fasste zusammen, dass Delmare durch seine unzähligen, prägnanten Rollen für immer im kollektiven Gedächtnis verankert bleiben werde.

Als sich schließlich am siebenundzwanzigsten Mai zweitausendneun Dutzende Weggefährten zur feierlichen Beisetzung seiner Urne auf einem Leipziger Friedhof versammelten, glich dies einem historischen Gipfeltreffen der deutschen Film- und Fernsehlandschaft. Schauspieler aus fast fünfzig Jahren Filmgeschichte, viele von ihnen selbst bereits im hohen Alter, kamen zusammen, um einem Mann die letzte Ehre zu erweisen, der sie alle auf die eine oder andere Weise zutiefst geprägt hatte. Es trafen sich DEFA-Veteranen der ersten Stunde mit den glattpolierten Fernsehgesichtern der neunziger Jahre. Dass ein Schauspieler, der sein Leben lang fast ausschließlich in Nebenrollen zu sehen war, eine solch enorme, generationsübergreifende Bewunderung hervorrufen konnte, ist der ultimative Beweis für seine künstlerische Genialität und seine außergewöhnliche menschliche Integrität. Die Spanne der Stimmen reichte vom damals achtundachtzigjährigen Herbert Köfer bis zur erst dreiundvierzigjährigen Cheryl Shepard. Über alle Altersgrenzen, über alle Systemwechsel und politischen Umbrüche hinweg blieb am Ende dasselbe Resümee: Fred Delmare musste nie im absoluten Zentrum stehen, um unsterblich zu werden. Er bewies mit jedem seiner über zweihundert Filme, dass wahre schauspielerische Größe keine großen Reden und keine Namen in Leuchtschrift erfordert. Es reicht vollkommen aus, in jeder einzelnen Sekunde vor der Kamera absolut wahrhaftig, echt und menschlich zu sein. Und genau dieses leuchtende Erbe macht den kleinen Mann mit dem freundlichen Lächeln und dem verborgenen Schmerz zu einem unvergesslichen Titanen der deutschen Kulturgeschichte.

Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

Recommended for You

View Archive arrow_forward