Das Schweigen nach dem Felicita-Traum: Die tragische Wahrheit hinter der Liebe von Albano und Romina Power

Es gab eine Zeit, da schien es, als könnten Albano Carrisi und Romina Power nicht zerbrechen. Er, mit dieser kraftvollen Stimme, die die ganze Seele zu füllen vermochte; sie, mit jener stillen, fast ätherischen Eleganz, die sie aus den Filmstudios Hollywoods mitgebracht hatte und die doch auf italienischen Bühnen zu einer neuen, greifbaren Heimat wurde. Wenn sie gemeinsam auf der Bühne standen, glaubten Millionen Menschen nicht einfach nur an gute Musik. Sie glaubten an die Institution der Ehe, an den Zusammenhalt einer Familie, an das unerschütterliche Glück. Doch hinter den vertrauten Melodien, hinter dem Glanz der Fernsehkameras und dem aufgesetzten Lächeln begann etwas zu reißen. Nicht plötzlich, nicht mit einem lauten Knall, sondern langsam, Stück für Stück, wie ein Geflecht, das unter der Last einer unsichtbaren Bürde nachgibt. Zwei Welten, die sich einmal mit einer fast magischen Anziehungskraft gefunden hatten, wurden mit den Jahren zu einer Last, die immer schwerer zu tragen war. Und dann, an jenem schicksalhaften Punkt, der alles veränderte, verschwand ihre Tochter Ylenia. Von diesem Moment an war nichts mehr wie vorher. Denn manche Verluste nehmen einem nicht nur einen geliebten Menschen – sie nehmen einem auch die Sprache, mit der man liebt.

Albano Carrisi stammte aus Cellino San Marco, einem kleinen Ort in Apulien, weit weg von dem schillernden Glanz, der später sein Leben füllen sollte. Dort roch das Leben nach Erde, nach harter Arbeit und nach dem festen Gefüge der Familie. Sein Vater kannte keine großen Worte für Träume. Man stand früh auf, man packte an, man glaubte an Gott und man lernte die bittere Lektion, dass ein Mann erst etwas wert war, wenn er durchhielt. Romina Power hingegen kam aus einer völlig anderen Welt: Los Angeles, Kameras, Hotels, das ewige Reisen. Ihr Vater war Tyrone Power, einer der großen Namen Hollywoods, ihre Mutter Linda Christian kannte das Leben im Rampenlicht ebenfalls. Doch Glanz bedeutet nicht automatisch Wärme. Romina wuchs mit schönen Bildern auf, doch nicht mit einem festen Zuhause, das Beständigkeit bot. Vielleicht war genau das der erste Riss in ihrer Welt und zugleich der erste Zauber, der sie zu Albano zog. Er hatte Wurzeln, die tief in den Boden reichten; sie hatte Flügel, doch keinen Ort, an dem sie wirklich landen konnte. Als sie sich am Set des Films „Nel Sole“ begegneten, war Albano kein Mann aus ihrer Welt und Romina keine Frau aus seiner. Gerade deshalb sahen sie einander an, als hätte jeder etwas gefunden, das im eigenen Leben schmerzlich fehlte: Für sie war er die Ruhe, für ihn war sie die weite Welt.

Die Familien sahen das mit Skepsis – zu verschieden, zu jung, zu riskant. Doch Albano und Romina gingen ihren eigenen Weg. Als sie heirateten, glaubte die Öffentlichkeit, sie sehe den Anfang eines modernen Märchens. Niemand ahnte, dass aus dieser Liebe bald nicht nur Lieder entstehen würden, sondern auch ein Kind, dessen Name eines Tages schwerer wiegen würde als jeder Applaus der Welt. Am 26. Juli 1970 heirateten Albano und Romina in Cellino San Marco. Wenige Monate später kam ihre erste Tochter zur Welt: Ylenia Maria Sole. Ein Name, der damals nach Licht klang, nach einem glücklichen Anfang. Niemand konnte wissen, dass dieser Name der stillste und schwerste Teil ihrer Geschichte werden würde.

Mit den Jahren wurden sie mehr als ein Ehepaar. Sie wurden ein Bild, ein Versprechen, eine Marke. Albanos Stimme war kräftig, fast erdig, als käme sie direkt aus dem Boden seiner Heimat; Rominas Stimme war weicher, heller, mit jener Ruhe, die das Publikum sofort erkannte. Zusammen wirkten sie wie zwei Seiten derselben Sehnsucht. Lieder wie „Sharzan“ oder „Felicità“ liefen in Küchen, auf Hochzeiten und in kleinen Wohnzimmern. Wenn Albano und Romina sangen, klang Glück plötzlich einfach, fast greifbar. Doch darin lag die Gefahr: Je mehr Europa an ihr perfektes Glück glaubte, desto weniger konnten sie sich leisten, Risse zu zeigen. Ein Paar, das für Millionen Menschen Hoffnung sang, kann nicht einfach zugeben, dass auch hinter verschlossenen Türen die Luft manchmal schwer wird.

Während draußen der Applaus immer lauter wurde, wuchs in ihrer Familie ein Kind heran, das eines Tages nicht mehr Teil dieses perfekten Bildes sein wollte. Ylenia wuchs nicht wie ein gewöhnliches Kind auf. Ihr Nachname öffnete Türen, noch bevor sie selbst anklopfen konnte. Überall waren Kameras, Reisen, Menschen, die ihre Eltern liebten und in ihr sofort einen Teil dieses großen Märchens sehen wollten. Für die Außenwelt war das ein Geschenk, für ein junges Mädchen konnte es jedoch ein Käfig sein. Ylenia war klug, sprach mehrere Sprachen, schrieb, sang, malte. Sie hatte eine stille Art von Talent. Ihre Eltern sahen in ihr eine Zukunft, in der die Geschichte der Familie weitergeht, nur mit einer neuen Stimme. Doch Ylenia wollte nicht immer dort stehen, wo andere sie erwarteten. Sie wollte die Welt sehen, wie sie wirklich war, nicht durch die Linse einer Kamera.

Ende 1993 ging sie auf Reisen – Mittelamerika, Südamerika. Für ihre Eltern klang das anfangs wie eine Phase. Doch der Kontakt wurde dünner, die Nachrichten seltener. Irgendwann setzte sich dieses Gefühl in ihnen fest, das Eltern kennen, lange bevor jemand es ausspricht: Etwas stimmt nicht. Als ihr Bruder Yari losgeschickt wurde, um sie zu finden, war sie bereits weitergezogen nach New Orleans. Dort wartete nicht die ersehnte Freiheit, sondern ein dunklerer Teil der Geschichte. Sie traf auf Alexander Masakela, einen deutlich älteren Straßenmusiker. Für ihre Eltern war er ein Warnsignal, ein Mann, dessen Einfluss auf Ylenia ihnen Angst machte. Eltern brauchen oft keinen Beweis, um Gefahr zu riechen; sie spüren, wenn sich ein Kind entfremdet.

Am 31. Dezember 1993 rief Ylenia zu Hause an. Sie klang nicht wie ein Mensch, der verschwinden will. Und genau das machte diesen Anruf später so unerträglich. Denn danach kam nichts mehr. Am 6. Januar 1994 wurde sie zuletzt sicher gesehen. Ein Sicherheitsmann am Aquarium von New Orleans berichtete später, er habe eine junge Frau gesehen, die der Beschreibung Ylenias ähnelte, wie sie in den Mississippi gegangen sei – oder gesprungen. Dabei sollen Worte gefallen sein, die bis heute kalt klingen: „I belong to the water.“ Die Küstenwache suchte, der Fluss schwieg. Kein Körper, kein Beweis. Für die Polizei wurde diese Aussage zu einer Spur, für Romina war sie nie genug.

Von da an lebten Albano und Romina nicht mehr in normalen Tagen. Zeit hatte plötzlich eine andere Form; sie bestand aus Telefonanrufen, die nie kamen, aus Hinweisen, die erst wie Hoffnung klangen und dann im Nichts endeten. Romina konnte nicht aufhören zu hoffen. Wenn niemand den Körper ihrer Tochter gefunden hatte, konnte niemand ihr sagen, sie solle aufhören zu glauben. Albano hingegen begann langsam zu brechen. Er suchte ebenfalls, sprach mit Menschen, folgte Spuren, doch irgendwann überkam ihn die bittere Realität. Für ihn war das kein Aufgeben, sondern ein Versuch, nicht selbst in der Leere zu versinken. Er brauchte einen Punkt, während Romina keinen Punkt ertragen konnte.

Beide liebten Ylenia, doch ihr Verlust traf sie an völlig verschiedenen Stellen. Im Jahr 2014 erklärte ein italienisches Gericht Ylenia offiziell für tot. Für Albano war es der Versuch, einen Abschluss zu finden, für Romina war es eine zweite Beerdigung. Von diesem Moment an war zwischen ihnen nicht nur Trauer, sondern ein stiller Vorwurf, den kein Lied der Welt übertönen konnte.

Die Trennung, die im Jahr 2012 offiziell mit der Scheidung besiegelt wurde, war nur die formale Bestätigung dessen, was emotional schon lange vollzogen war. Nach außen versuchten sie noch eine Weile Haltung zu bewahren, sangen gemeinsam auf Bühnen. Doch wer genau hinsah, merkte, dass etwas fehlte. Früher wirkten sie wie zwei Menschen, die denselben Traum teilten; jetzt wirkten sie wie zwei Überlebende, die denselben Namen nicht mehr aussprechen konnten. Romina suchte Halt in ihrer Spiritualität und Kunst, oft in den USA, während Albano in Apulien blieb, sein Leben in Cellino San Marco weiterführte, Wein anbaufte und in das Fernsehen zurückkehrte.

Dann kam das Jahr 2013, Moskau. Zu Albanos Geburtstag geschah das Unmögliche: Romina stimmte einem gemeinsamen Auftritt zu. Für das Publikum war es ein Moment, der fast unwirklich wirkte. Da standen sie wieder, Albano und Romina. Wer in den 80er Jahren ihre Lieder gehört hatte, sah nicht nur zwei alternde Künstler; er sah Küchen, Wohnzimmer, Hochzeiten, das Leben, das längst vergangen war. Beide machten deutlich, dass diese Rückkehr rein beruflich war. Sie wussten, wie man zusammen auf der Bühne steht, sie wussten, wann der andere atmet, sie wussten, wie „Felicità“ klingen muss, damit ein Saal weich wird. Aber hinter jedem Applaus stand das Ungelöste.

Am Ende ist die Wahrheit über Albano und Romina Power nicht einfach, dass ihre Ehe zerbrach. Das wäre zu banal für die Tragweite dessen, was sie erlitten haben. Sie verloren nicht nur einander, sie verloren die gemeinsame Sprache für denselben Schmerz. Romina konnte ein Kind nicht begraben, dessen Körper nie gefunden wurde; Albano konnte nicht ewig in einer Frage leben, die jeden Morgen neu begann. Vielleicht hatte keiner von beiden Unrecht, und vielleicht ist genau das der grausamste Teil dieser Geschichte. Sie hatten alles, was die Welt als Erfolg definiert, doch der schwerste Moment ihres Lebens geschah nicht im Scheinwerferlicht. Er geschah in der Stille nach einem letzten Anruf an einem Fluss, der keine Antwort gab.

Heute können sie wieder nebeneinander singen, können Erinnerungen wecken und das Publikum berühren. Doch zwischen Albano und Romina bleibt ein leerer Platz. Er trägt den Namen Ylenia. Und vielleicht stirbt manche Liebe nicht, weil sie zu schwach war, sondern weil ein Verlust stärker wird als alles, was zwei Menschen jemals zusammengehalten hat. Sie bleiben verbunden durch das, was ihnen genommen wurde, und getrennt durch das, was sie in dieser Leere jeweils für sich gefunden haben. Ein Felicita-Traum, der in einer Wirklichkeit endete, für die kein Lied eine Melodie kannte.

Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

Recommended for You

View Archive arrow_forward