Das geheime Leben des Hans Moser: Ein Brief an Hitler, die Flucht vor dem Tod und ein unverzeihlicher Familienverrat
Wien, im Sommer 1938. In einer herrschaftlichen Villa im noblen Bezirk Hietzing saß ein Mann einsam an seinem schweren Schreibtisch und verfasste einen Brief. Es war kein gewöhnliches Schreiben. Er richtete seine Zeilen nicht an einen engen Freund, nicht an einen vertrauten Kollegen und schon gar nicht an einen seiner unzähligen Bewunderer. Der Adressat war niemand Geringeres als Adolf Hitler persönlich. Der Mann, der dort saß und mit zitternder Hand Worte der Unterwerfung wählte, war 58 Jahre alt, maß lediglich einen Meter und achtundfünfzig Zentimeter und besaß ein Gesicht, das in der gesamten Nation jedes Kind kannte. Es war Hans Moser. Jener legendäre Komiker, der mit seinem unverwechselbaren, oft herrlich unverständlichen Genuschel Millionen von Menschen in den Kinos und Theatersälen zum Lachen brachte. Er hatte bereits in rund 150 Filmen mitgewirkt, sorgte für restlos ausverkaufte Vorstellungen und genoss den Reichtum einer prächtigen Villa mit weitläufigem Garten. Doch an jenem denkwürdigen 24. Oktober 1938 hatte er kein neues Drehbuch im Kopf. Er verfasste ein verzweifeltes Gnadengesuch. Ein flehentliches Bittschreiben um das blanke Überleben seiner geliebten Ehefrau.
Blanca Moser, eine geborene Hirschler, galt nach der unerbittlichen Logik der Nürnberger Rassegesetze als “Volljüdin”. Ihr österreichischer Reisepass trug bereits das stigmatisierende, rot gestempelte „J“, das in jenen dunklen Tagen einem Todesurteil gleichkam. Die Situation war für das Ehepaar von einer Sekunde auf die andere existenzbedrohend geworden. Viele prominente Zeitgenossen und Kollegen Mosers wählten in einer vergleichbaren Lage den vermeintlich einfacheren Ausweg. Sein berühmter Kollege Heinz Rühmann, der unangefochten größte Filmstar Deutschlands zu dieser Zeit, hatte sich ebenfalls mit der Tatsache konfrontiert gesehen, mit einer jüdischen Frau, der Schauspielerin Maria Bernheim, verheiratet zu sein. Rühmann traf eine andere, pragmatischere Entscheidung: Zehn Tage nach den grauenvollen Novemberpogromen ließ er sich von seiner Frau scheiden. Maria Bernheim wurde daraufhin über eine arrangierte Scheinehe nach Stockholm in Sicherheit gebracht, während Rühmann später eine andere Frau heiratete, für die Propagandaminister Joseph Goebbels persönlich eine Sondergenehmigung erwirkte. Es war die Normalität des moralischen Kompromisses in einer brutalen Diktatur. Hans Moser jedoch weigerte sich standhaft. Er wollte seine Blanca unter keinen Umständen aufgeben.
Es sind genau diese schmerzhaften, tiefgründigen Fragen, die uns noch heute, mehr als sechs Jahrzehnte nach seinem Tod, intensiv beschäftigen. Warum musste ausgerechnet der beliebteste und gefeiertste Komiker Österreichs vor einem Monster wie Joseph Goebbels buchstäblich auf die Knie gehen und ihm alte Wiener Heurigenlieder vorsingen, nur um das Leben seiner eigenen Frau zu retten? Warum konnte dieser selbe Mann, der in seiner stillen, aber unbeugsamen Art gegen die Maschinerie des gesamten NS-Regimes ankämpfte, seiner dominierenden Ehefrau im Privaten nie auch nur ein einziges Mal widersprechen? Und wie kam es dazu, dass bei seiner Beerdigung 5.000 Menschen hemmungslos weinten, während seine eigene und einzige Tochter, 12.000 Kilometer entfernt in Buenos Aires, nicht einmal wusste, dass ihr Vater gestorben war? Die Antworten auf diese Fragen liegen verborgen in einer komplexen, tragischen Lebensgeschichte, die Hans Moser selbst zu Lebzeiten niemals erzählen durfte. Es ist eine Geschichte über bedingungslose Liebe, lähmende Angst und einen Mann, der sein ganzes Leben lang stets allen anderen diente – nur sich selbst nie.

Um zu verstehen, wie es überhaupt so weit kommen konnte, muss man weit in der Zeit zurückgehen. In eine Epoche, in der Hans Moser noch seinen bürgerlichen Namen Johann Julier trug und niemand auf den Straßen Wiens Notiz von ihm nahm. Johann erblickte am 6. August 1880 im Wiener Arbeiterviertel Margareten, an der rechten Wienzeile, das Licht der Welt. Es war ein hartes Pflaster, ein Ort, an dem man schon in jungen Jahren schmerzhaft lernte, was bitterste Armut bedeutete. Sein Vater Franz war ein akademischer Bildhauer mit französisch-ungarischen Wurzeln, der zwar kunstvolle Skulpturen erschuf, jedoch kaum genug Geld verdiente, um die hungrigen Mäuler seiner Familie zu stopfen. Seine Mutter Seraphina betrieb einen bescheidenen, kleinen Milchladen am Naschmarkt, um die Familie irgendwie über Wasser zu halten. Johann war das dritte von vier Kindern. Als er gerade einmal achtzehn Jahre alt war, starb der Vater. Von da an stand die Mutter völlig allein hinter dem spärlichen Ladentisch. Wahrscheinlich begann genau in diesen beengten, feuchtkalten Räumen das, was Hans Moser sein restliches Leben lang wie ein unsichtbarer Schatten begleiten sollte: eine tiefe, niemals endende Existenzangst. Eine Furcht vor dem Nichts, die ihn bis zu seinem letzten Atemzug nicht mehr losließ.
Der junge Johann träumte leidenschaftlich von der großen Bühne, doch die verarmte Familie konnte sich eine renommierte Schauspielschule schlichtweg nicht leisten. Also nahm er heimlich und voller Ehrfurcht Unterricht bei einem Mann namens Josef Moser, einem angesehenen Schauspieler des Burgtheaters. Aus tiefem Respekt für seinen Mentor nahm der aufstrebende Künstler bald dessen Nachnamen an. Aus Johann Julier wurde Hans Moser. Im Jahr 1903 bekam er endlich seine erste vermeintlich große Chance am renommierten Theater in der Josefstadt. Doch die Direktion blickte nur kurz auf den schmächtigen jungen Mann herab und schickte ihn unbarmherzig wieder weg. Die vernichtende Begründung: Er sei mit seinen 1,58 Metern viel zu klein für die wichtigen Liebhaberrollen. Das reichte einfach nicht für das Idealbild des romantischen Helden. Was auf diese bittere Zurückweisung folgte, waren zwei quälende Jahrzehnte voller Hunger, Entbehrungen und Niederlagen. Moser zog rastlos mit armseligen Wanderbühnen durch die tiefe Provinz der alten Donaumonarchie. Er trat in verrauchten Wirtshäusern und trostlosen Kleinstädten auf. Manchmal bestand sein Publikum aus nicht mehr als einer Handvoll angetrunkener Bauern. Oft genug wurde er am Ende des Abends nicht mit harten Münzen bezahlt, sondern lediglich mit einem warmen Abendessen abespeist. Er schob schwere Kulissen, verteilte auf den Straßen Handzettel und schlief in eisigen, schäbigen Pensionen, deren Miete er sich kaum leisten konnte. In den Jahren von 1912 bis 1914 fand er schließlich ein festes Engagement im Budapester Orpheum in Wien. Es handelte sich um eine jüdische Varietébühne, die in der ganzen Stadt für ihre pointierte Dialektkomödie berühmt war. Moser war dort der einzige christliche Schauspieler im gesamten Ensemble. Was er in dieser Zeit von seinen jüdischen Kollegen lernte – die subtile Kunst des Komischen, das perfekte Timing, das Ziehen von echtem Witz aus den Tragödien des Alltags –, bildete das unerschütterliche Fundament seiner späteren, beispiellosen Karriere.
Der wahre Wendepunkt seines Lebens fand jedoch nicht im Rampenlicht auf der Bühne statt, sondern in einer unscheinbaren Wohnung in der Pressgasse. Im Jahr 1910 kehrte Moser völlig erschöpft von einem schlecht bezahlten Gastspiel in Teplitz-Schönau zurück. Man hatte ihn gebeten, Grüße bei einer gewissen Familie Hirschler in Wien zu überbringen. Er klopfte an die fremde Tür, und eine junge Frau namens Blanca Hirschler öffnete. Sie war zwanzig Jahre alt, die clevere und durchsetzungsfähige Schwester zweier Schauspielkollegen. Wie beide später immer wieder betonten, war es Liebe auf den ersten Blick. Am 5. August 1911, nur einen Tag vor Mosers 31. Geburtstag, gaben sie sich das Jawort. 1913 kam ihre geliebte Tochter Margarete zur Welt, die von allen liebevoll nur “Grete” genannt wurde. Blanca erkannte schnell, wen sie da geheiratet hatte: Einen talentierten, aber völlig chaotischen “Hallodri”. Einen Mann, der seine spärliche Gage meist schon in den schummrigen Wiener Kaffeehäusern und verruchten Nachtlokalen restlos durchbrachte, bevor die Woche überhaupt zur Hälfte vorbei war. Blanca, pragmatisch und zielstrebig, änderte dies rigoros. Sie führte von nun an mit eiserner Disziplin Buch über jede noch so kleine Einnahme und jede Ausgabe. Sie teilte ihrem Ehemann wöchentlich ein streng rationiertes Taschengeld zu. Sie studierte unermüdlich seine Rollen mit ihm ein, verhandelte knallhart seine Verträge aus und begleitete ihn wachsam zu jedem einzelnen Engagement. Hans Moser verehrte seine Frau abgöttisch. Es hieß später in Branchenkreisen oft, er sei ihr absolut “hörig”. Ein Begriff, der in diesem speziellen Fall weitaus mehr bedeutete als eine bloße, willfährige Unterwerfung. Es bedeutete ganz fundamental: Er brauchte sie zwingend, um in dieser Welt überhaupt funktionieren zu können.

Und tatsächlich: Unter Blancas strenger, aber genialer Regie kam endlich der lang ersehnte Durchbruch. Im Alter von 43 Jahren trat Moser 1923 im renommierten Wiener Ronacher auf. Sein Sketch trug den simplen Titel „Der Dienstmann“. Er verkörperte den kleinen, übersehenen Mann, der gebückt und ächzend die schweren Koffer anderer, wohlhabender Leute trug. Das Publikum war augenblicklich elektrisiert. Die Menschen erkannten sich in dieser so tragikomischen Figur wieder. Mit einem Schlag hatte Hans Moser endlich seinen verdienten Platz in der Welt gefunden. Zwei Jahre später holte ihn der legendäre Regisseur Max Reinhardt höchstpersönlich zurück an das Theater in der Josefstadt – ironischerweise an exakt dasselbe Haus, das ihn zwanzig Jahre zuvor noch als “zu klein” verspottet und abgelehnt hatte. Es folgten erste große Filmrollen, erfolgreiche Schallplattenaufnahmen und viel beachtete Radioauftritte. Werke wie „Die Reblaus“, „Hallo Dienstmann“ oder „Wiener Blut“ machten ihn unsterblich. Sein markantes Genuschel wurde zu seiner unverwechselbaren Marke, sein ewiges Granteln zu seinem absoluten Markenzeichen. Hans Moser war endlich ganz oben angekommen. Er besaß eine Frau, die ihn sicher durchs Leben lenkte, eine Tochter, die ihn liebte, und ein gewaltiges Publikum, das ihn regelrecht vergötterte. Doch was dann in der Weltgeschichte geschah, drohte alles auf brutale Weise zu zerstören, was er sich in zwanzig Jahren bittersten Hungers und mühsamem Erfolg aufgebaut hatte.
Es begann mit einem einzigen, schicksalhaften Tag im März 1938. Am 12. März marschierten Hitlers Truppen unaufhaltsam in Österreich ein. Der sogenannte “Anschluss” machte aus einem ehemals stolzen, souveränen Staat buchstäblich über Nacht eine gleichgeschaltete Provinz des Dritten Reichs. Und aus jeder jüdischen Ehefrau eines österreichischen Bürgers wurde in den Augen der Nationalsozialisten ein gravierendes Problem, das schnellstens “gelöst” werden musste. Für Hans Moser bedeutete dieser rabenschwarze Tag, dass die Frau, mit der er seit 27 Jahren sein Leben teilte, urplötzlich als Jüdin vogelfrei und gnadenlos verfolgt wurde. Blancas Bewegungsfreiheit war extrem eingeschränkt. Der massive Druck, sich von ihr scheiden zu lassen, prasselte von allen Seiten auf den Star ein. Von gefühlskalten Behörden, von besorgten Studiobossen und von Kollegen, die es insgeheim vielleicht gut meinten. Doch Moser, der kleine Mann mit der großen Furcht, weigerte sich beharrlich. Stattdessen tat er etwas, das man wahlweise als verzweifelten, waghalsigen Mut oder als schieren Wahnsinn bezeichnen kann: Er wandte sich direkt und unmittelbar an die höchsten Machthaber des grausamen Regimes.
Im Juni 1938 notierte Reichspropagandaminister Joseph Goebbels lakonisch in seinem Tagebuch, er habe den Schauspieler Hans Moser zu einer Audienz empfangen. Moser habe ihm dabei Wiener Heurigenlieder vorgesungen und er, Goebbels, werde wohlwollend “sehen, was sich machen lässt”. Was sich nüchtern hinter diesen dürren Zeilen verbirgt, ist wohl eine der zutiefst erniedrigendsten Szenen, die man sich in der deutschen Kulturgeschichte vorstellen kann. Der berühmteste Komiker einer ganzen Nation stand demütig vor dem mächtigsten Propagandisten der Welt und sang ihm Lieder vor, wie ein armer Musikant auf einem lauten Jahrmarkt, der um ein paar rettende Münzen bettelt. Er tat es nicht für seine eigene Karriere. Er tat es einzig und allein für das Leben seiner Blanca. Vier Monate später folgte das verzweifelte Schreiben an Adolf Hitler, in dem Moser flehentlich darum bat, seine Frau als “Ehrenarierin” anerkennen zu lassen, um sie vor der Vernichtungsmaschinerie zu bewahren. Das Unfassbare geschah: Die Antwort lautete Ja. Blanca Moser erhielt diesen absurden, bürokratischen Status. Auf dem Papier war sie nun vorläufig geschützt.
Doch das Dritte Reich war ein Ort, an dem Papier geduldig und Versprechen wertlos waren. Im Sommer 1939 wurde die Lage in Wien für Blanca unerträglich. Die täglichen Schikanen hörten niemals auf. Ehemalige Nachbarn wechselten demonstrativ die Straßenseite, bösartige Briefe trafen ein. Hans Moser musste unter Tränen einsehen, dass selbst seine Demütigung vor Goebbels nicht ausreichte. Blanca verließ eilig Wien. Sie reiste ins Exil, zunächst in die neutrale Schweiz nach Zürich, dann weiter in das noch vermeintlich sichere Budapest, wo sie bei jüdischen Verwandten Unterschlupf fand. Hans Moser blieb völlig allein in der riesigen Villa in Hietzing zurück. In einem Land, das seiner Frau verboten hatte, an seiner Seite zu leben. Fortan führte er ein zerrissenes Doppelleben. Wenn die Scheinwerfer am Filmset angingen, war er wieder der lustige, kleine Mann, der charmant grantelte. Doch sobald die Kameras aus waren, weinte er bitterlich, wie sein langjähriger Filmpartner Fritz Imhoff später erschüttert berichtete, wann immer der Name Blanca fiel. War dieser Mann ein Held? Oder war es ganz einfach ein Mensch, der ohne seine dominante bessere Hälfte schlichtweg nicht existieren konnte?
Während Moser in Wien aus reiner Not heraus drehte, um Blancas Überleben in Ungarn finanziell zu sichern, geriet sie in Budapest in absolute Lebensgefahr. 1944 marschierten deutsche Truppen in Ungarn ein, und Adolf Eichmann reiste persönlich an, um auch dort die Deportationen der jüdischen Bevölkerung rücksichtslos durchzuführen. Tausende wurden an den Ufern der Donau erschossen. Blanca überlebte dieses unvorstellbare Grauen wie durch ein Wunder und wurde schließlich 1945 von der Roten Armee befreit. Als sie nach den Wirren des Krieges nach Wien in die alte Villa zurückkehrte, fand sie jedoch einen zutiefst veränderten, gebrochenen Ehemann vor. Moser war innerlich ausgehöhlt. Aus blanker, irrationaler Furcht vor der Armut zogen die beiden wohlhabenden Eheleute im kalten Winter sogar in die winzige, unbeheizte Hausmeisterwohnung im Erdgeschoss der Villa, nur um teure Heizkosten zu sparen. Moser drehte rastlos Film um Film, angetrieben von einer unstillbaren inneren Panik. Er durfte einfach nicht aufhören zu arbeiten, denn in der Stille kamen die dunklen Gedanken – und mit ihnen die Dämonen der Angst.
Was die Öffentlichkeit in all den Jahren jedoch nicht ahnte: Die Familie hütete ein düsteres, skandalöses Geheimnis, das Hans Moser schließlich schweigend mit ins Grab nahm. Tochter Grete war nach Buenos Aires ausgewandert. Sie hatte dort einen rumänischen Geschäftsmann namens Martin Hasdey geheiratet. Doch dieser Mann war der Familie nicht fremd. Berichten zufolge hatte er zuvor eine leidenschaftliche Affäre mit Blanca gehabt – mit Gretes eigener Mutter! Und diese brisante Beziehung soll ausgerechnet während der Ehe mit Hans Moser stattgefunden haben. Moser, der seiner Frau stets absolut hörig war, wusste offensichtlich von diesem Betrug und schwieg all die Jahre. Blanca jedoch konnte und wollte ihrer Tochter niemals verzeihen, dass diese ausgerechnet den einstigen Liebhaber der Mutter ehelichte. In ihren Augen war dies der ultimative, unverzeihliche Verrat.
Die Konsequenzen dieser familiären Tragödie waren verheerend. Als Hans Moser am 19. Juni 1964 im Alter von 83 Jahren an Lungenkrebs starb, glich seine Beerdigung in Wien einem royalen Staatsbegräbnis. 5.000 Menschen pilgerten weinend zum Zentralfriedhof. Sogar der Bundespräsident legte persönlich einen Kranz nieder. Doch eine wichtige Person fehlte in der Trauergemeinde: Tochter Grete. Sie, die 12.000 Kilometer entfernt in Argentinien lebte, erfuhr erst Tage nach der Beerdigung aus den Medien vom Tod ihres Vaters. Blanca hatte sich schlichtweg geweigert, sie zu benachrichtigen. Es war ein Akt eiskalter Rache, der nach Blancas eigenem Tod noch einen perfiden Höhepunkt fand. In ihrem Testament enterbte sie ihre eigene Tochter komplett. Das gesamte Millionenvermögen floss in eine von ihr hastig gegründete Stiftung. Es folgten fünfundzwanzig Jahre eines erbitterten Rechtsstreits vor österreichischen Gerichten, bis Grete 1989 schließlich einen Teil des Geldes zugesprochen bekam, kurz bevor sie selbst verstarb.
Hans Moser war in seinem filmischen Schaffen immer der kleine Mann. Der eifrige Dienstmann, der Gepäckträger, der Hausmeister. Ein Mensch, der immerfort für andere da war und sich selbst stets zurücknahm. Genau so lebte er auch abseits der Leinwand. Er diente aufopferungsvoll seiner Frau, er diente ergeben seinem Publikum, er demütigte sich sogar vor Goebbels, nur um Blanca vor dem Schlimmsten zu bewahren. Am Ende trug er stumm die schwerste Last seiner eigenen, zerrütteten Familie. Blancas Geheimnis, die grausame Verbannung der eigenen Tochter, seine eigene, alles verzehrende Angst. Er trug diese Koffer geduldig bis zum letzten Atemzug. Eine Geschichte, die uns weit mehr über das wahre Wesen von Heldentum, bedingungsloser Liebe und menschlicher Schwäche lehrt, als jede noch so brillante Komödie auf der Leinwand.