Das geheime Doppelleben des Taddeus Punkt: Die ungeschönte Wahrheit über DDR-Star Heinz Fülfe und das Schicksal von Struppi

Es ist der 11. Juni 1959. Im flackernden Schwarz-Weiß-Bild der Röhrenfernseher, in unzähligen stickigen und gemütlichen Wohnzimmern der jungen DDR, ereignet sich ein historischer Moment, der sich tief in das kollektive Gedächtnis einer ganzen Generation einbrennen sollte. Studio Adlershof bei Berlin sendet live. Das tägliche Ritual, die Geschichte vor dem Schlafengehen, beginnt wie so oft, doch an diesem Abend präsentiert sich den Millionen wartenden Kindern ein völlig neues, ungewohntes Gesicht. Ein Mann, gekleidet in einen markanten weißen Kittel, tritt mit einer etwas nervösen Aura vor die surrenden Kameras. Neben ihm, fast unscheinbar, ruht eine kleine Hundepuppe aus weichem Stoff.

Er blickt direkt in die Linse, direkt in die Augen der kleinen Zuschauer, und stellt sich vor: Er sei der Zeichner Taddeus Punkt. Er wolle ihnen heute eine wunderbare Geschichte erzählen. Doch dann, in genau dem Moment, als die Worte seine Lippen verlassen, geschieht etwas Unvorhergesehenes. Er stutzt, korrigiert sich hastig. Eigentlich wolle er die Geschichte ja zeichnen. Und im selben, hektischen Atemzug rudert er erneut zurück: Nein, erzählen wolle er sie. Wer damals, an diesem denkwürdigen Juniabend, live vor dem Bildschirm saß, wird dieses winzige Zögern, dieses leichte Beben in seiner Stimme nie vergessen. Es war ein kleiner, menschlicher Versprecher, ungeschnitten und live gesendet. Und paradoxerweise war genau dieser winzige Fehler der Startschuss für eine der beeindruckendsten und langlebigsten Karrieren in der Geschichte des deutschen Kinderfernsehens. Dieser Mann, der an jenem Abend so nervös wirkte, eroberte sich einen unumstößlichen Platz im abendlichen Ritual unzähliger Familien.

Doch die wahre, ungeschönte Geschichte hinter diesem Mann, Heinz Fülfe, ist weitaus komplexer, dramatischer und faszinierender, als es der freundliche Onkel im weißen Kittel jemals vermuten ließ. Wie wird ein Mann, der für eine solch prominente Rolle eigentlich niemals vorgesehen war, zu einem der bekanntesten und einflussreichsten Kinderfernsehstars der gesamten DDR? Die Antwort auf diese Frage gleicht einem spannenden Roman. Sie beginnt mit einem unerwarteten Abgang, den hinter den Kulissen kaum jemand kommen sah, und sie endet an einem surrealen Ort, den man in den Zeiten der strengen SED-Diktatur niemals im Lebenslauf eines solchen Stars vermutet hätte.

Der Weg, der Heinz Fülfe an jenem schicksalhaften Abend vor die Kameras des Studio Adlershof führte, war geprägt von Entbehrungen, Umwegen und harter Arbeit. Es war kein vorgezeichneter Weg zum Ruhm. Erst spät kehrte er aus der zermürbenden Kriegsgefangenschaft zurück in ein zerstörtes Land. Er stand vor dem Nichts – ohne Bühne, ohne Rolle, ohne einen festen, sicheren Platz in der neuen Gesellschaft. In Dresden, inmitten der Ruinen, fand er eine erste Anstellung. Er erlernte das komplexe Handwerk des Bühnenbildners am Staatstheater. Er baute Kulissen, erschuf fantastische Welten aus Holz und Pappe, doch immer nur für andere. Das Rampenlicht blieb ihm verwehrt.

Jahre später, in der beschaulichen Stadt Pirna, änderte sich sein Schicksal langsam. Endlich stand er selbst auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Er trat als Tänzer auf, bewies musikalisches Talent und glänzte sogar in anspruchsvollen Frauenrollen bei der lokalen Theatergruppe „Die Pirnaer“, oft an der Seite seines Weggefährten Wolfgang Hensel. Es war ein solides, sicheres Leben. Er hatte ein festes, treues Publikum, ein geregeltes Einkommen und den Respekt seiner Kollegen. Doch dann, im Jahr 1955, traf er eine Entscheidung, die viele seiner Zeitgenossen als blanken Wahnsinn abtaten. Er gab all diese hart erarbeitete Sicherheit freiwillig auf. Wofür? Für ein Medium, das damals noch in den sprichwörtlichen Kinderschuhen steckte und von vielen Theaterschaffenden belächelt, ja sogar verachtet wurde: das Fernsehen.

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Ingeburg wagte er den riskanten Sprung ins Ungewisse. Sie zogen in die Gemäuer der historischen Festung Königstein. Die Bedingungen dort waren alles andere als glamourös. Kalte, feuchte Mauern, leere, zugige Räume. Weit und breit keine Kinder, keine Lacher, keine Geschichten. Doch aus genau diesen unwirtlichen Mauern erschufen die beiden mit ihren eigenen Händen, mit unbändiger Leidenschaft und purer Willenskraft etwas völlig Neues, etwas Revolutionäres: Ein eigenes Studio für Kinder, versteckt mitten in einer jahrhundertealten Festung. Von diesem isolierten Ort aus sollte eine Geschichte beginnen, die bald jedes Kind im ganzen Land in ihren Bann ziehen würde.

Ironischerweise waren die Helden dieser Geschichte anfangs gar nicht für das Fernsehen bestimmt. Zwei kleine Puppen, aus Holz geschnitzt von einem unbekannten Puppenspieler aus Dresden, fristeten ein tristes Dasein. Sie waren ursprünglich für eine Aufführung des Märchens „Hänsel und Gretel“ gefertigt worden. Doch das Stück erblickte nie das Licht der Bühne. Die aufwendig geschnitzten Figuren blieben stumm, ohne Rolle, ohne Bestimmung. Es war die begabte Malerin Inge Thieß-Böttner, die sich der beiden ausgemusterten Puppen annahm und ihnen mit Pinsel und Farbe neue, ausdrucksstarke Gesichter verlieh. Und dann traten Heinz und Ingeburg Fülfe in ihr Leben. Sie übernahmen die Figuren und gaben ihnen das, was ihnen all die Zeit gefehlt hatte: eine Seele, eine eigene Persönlichkeit, eine Stimme und vor allem Namen.

Aus den namenlosen, vergessenen Holzfiguren wurden „Flachs“, ein aufgeweckter, blonder Junge, und seine altkluge Schwester „Krümel“ mit ihren markanten dunklen Zöpfen. An ihrer Seite agierten der treue Hund Struppi – jene Stoffpuppe vom legendären ersten Fernsehabend – und die gutmütige Großmutter, die von allen liebevoll nur „Oma“ genannt wurde. Am 23. Januar 1955, einem kalten Sonntag, flimmerten diese vier Charaktere zum allerersten Mal über die wenigen Fernsehbildschirme der Republik. Es war die Geburtsstunde eines Phänomens.

Was folgte, war eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Über 400 liebevoll inszenierte Episoden wurden produziert. Fast jede einzelne Geschichte begann mit einem Element, das den Kindern nur allzu vertraut war: einem handfesten, aber herzlichen Streit zwischen Flachs, Krümel und der strengen, aber liebevollen Oma. Die Macher trafen den Nerv der Zeit. Wer als Kind selbst einmal in blindem Trotz die eigene Großmutter angeschrien und es Augenblicke später bitterlich bereut hat, erkannte sich in diesen einfachen, aber tiefgründigen Puppenspielen sofort wieder. Gedreht wurde all das zwischen den dicken, kalten Steinmauern der Festung Königstein. Und aus diesem abweisenden Gemäuer entstand, Folge für Folge, Woche für Woche, eine warme, geborgene und faszinierende Kinderwelt.

Diese Welt, erschaffen von Heinz und Ingeburg Fülfe, erwies sich als erstaunlich resistent gegenüber dem Lauf der Geschichte. Sie endete nicht mit dem politischen Zusammenbruch der DDR. Selbst heute noch, Jahrzehnte später, schippert das unsterbliche Sandmännchen in aktuellen Episoden von „Unser Sandmännchen“ mit dem nostalgischen Raddampfer die Elbe hinauf. Sein Ziel? Die majestätische Festung Königstein. Er besucht seine alten, treuen Freunde Flachs, Krümel und den treuen Hund Struppi an jenem Ort, an dem einst alles begann. In den Jahren nach ihrem ersten Auftritt wurden Flachs und Krümel zu festen, unverzichtbaren Größen im abendlichen Ritual. Sie agierten auf Augenhöhe mit dem Sandmännchen. Doch inmitten dieser scheinbar perfekten, harmonischen Kinderfernsehwelt bahnte sich bereits der nächste, völlig unerwartete Wendepunkt im Leben von Heinz Fülfe an.

Ende der 1950er Jahre wurde der sogenannte Märchenwald des DDR-Fernsehens um zwei neue, äußerst unkonventionelle Figuren erweitert. Anfangs waren sie kaum mehr als eine winzige Randnotiz im dichten Programmplan. Die Elster: grenzenlos neugierig, unerträglich eitel und geradezu fanatisch vernarrt in alles, was auch nur im Entferntesten glänzt. Und ihr direkter Nachbar, der Fuchs: ein großspuriger, selbstverliebter Besserwisser, der von seinen eigenen Fähigkeiten weit mehr hält, als es die Realität rechtfertigen würde. Beide waren bewusst als humorvolle Gegenspieler konzipiert worden. Kleine, sympathische Störenfriede, die die ansonsten oft allzu brave, belehrende und harmonische Fernsehwelt kräftig aufmischen sollten.

Der kreative Kopf hinter diesen beiden Ikonen war der talentierte Puppenspieler Hans Schröder. Gemeinsam mit seinem engagierten Team verlieh er der Elster und dem Fuchs Gestalt, eine unverwechselbare Stimme und einen komplexen Charakter. Doch im September 1957 kam es hinter den dicken Türen der Sendeanstalten zu einem Eklat. Unüberbrückbare Differenzen zwischen Schröder und den mächtigen Senderchefs führten zu einem harten Bruch. Schröder zog die Konsequenzen und verließ das Kinderfernsehen der DDR. Und mit ihm verstummten abrupt die Stimmen von Frau Elster und Herrn Fuchs. Zwei Figuren, die gerade erst begonnen hatten, sich in die Herzen der Zuschauer zu spielen, standen plötzlich im Abseits. Verwaist, ohne den Mann, der ihnen das Leben eingehaucht hatte.

Panik machte sich beim Sender breit. Niemand wusste, wie es weitergehen sollte. Würden die beiden beliebten Streithähne für immer aus dem Programm gestrichen werden? In dieser dramatischen Situation übernahm der Kollege Heinz Schröder (nicht verwandt mit Hans) kurzfristig die kratzige Stimme von Herrn Fuchs. Und für die elegante, eitle Frau Elster wurde in höchster Not ein anderer Ersatz gefunden: Heinz Fülfe. Wieder sprang er ein. Wieder übernahm er eine Rolle, die er niemals geplant hatte. Er lieh seine Stimme einem Charakter, der eigentlich einem anderen gehörte.

Die Herausforderung war immens. Wie spricht man eine Figur authentisch, die bereits eine etablierte, bekannte Stimme besaß? Wie füllt man die riesigen Fußstapfen eines anderen Künstlers, ohne die Identität der Figur zu zerstören, die die Kinder bereits ins Herz geschlossen hatten? Diese quälenden Fragen begleiteten Heinz Fülfe in den ersten, stressigen Wochen als Frau Elster. Er hatte keine Antworten, nur die vage, verzweifelte Hoffnung, dass die strengen kleinen Kritiker vor den Bildschirmen ihm diese neue Interpretation abnehmen würden.

Und sie taten es. Mehr noch: Unter der Regie der neuen Stimmen transformierten sich die beiden Streithähne Woche für Woche. Sie wurden vielschichtiger, menschlicher. Aus der anfänglichen, rohen Bosheit entwickelte sich ein liebenswerter, tiefgründiger Witz. Aus echtem, giftigem Streit wurde ein vertrautes, fast schon zärtliches Necken, das – zur Erleichterung der Kinder – stets in einer harmonischen Versöhnung endete. In tausenden Wohnzimmern fieberten die Kinder jede Woche genau jenem Moment entgegen, in dem der genervte Herr Fuchs völlig die Fassung verlor, sich über seine anstrengende Nachbarin echauffierte und verzweifelt ausrief: „Diese Person!“ Ein Satz, der zum absoluten Kult wurde. Millionen Kinder saßen im Schlafanzug vor dem Fernseher und sprachen diesen ikonischen Satz lautstark mit.

Am 9. März 1961 war es dann endlich so weit: Frau Elster und Herr Fuchs, die einst als unbedeutende Randfiguren begonnen hatten, erhielten ihre eigene, heiß ersehnte Sendereihe. Aus kleinen Störenfrieden waren gigantische Superstars des DDR-Fernsehens geworden. Ein fester, unumstößlicher Pflichttermin in unzähligen Familien, der bis weit in die 80er Jahre hinein Bestand haben sollte. Nach offiziellen Angaben der Sandmännchen-Redaktion gilt diese Reihe bis heute als die am längsten ununterbrochen laufende Sendung in der gesamten Geschichte des deutschen Fernsehens. Und im Zentrum dieses beispiellosen Triumphs stand eine Stimme, ein Mann, der für diese Rolle eigentlich nie vorgesehen war: Heinz Fülfe.

Doch was genau machte die toxische, aber liebenswerte Beziehung zwischen Frau Elster und Herrn Fuchs so unfassbar populär? Das Geheimnis lag in der meisterhaften Beobachtung zwischenmenschlicher (oder zwischen-tierischer) Dynamiken. Obwohl sie sich oft stritten wie ein altes, verbittertes Ehepaar, wahrten sie stets eine respektvolle Distanz. Sie lebten nie zusammen. Herr Fuchs residierte in seinem dunklen Bau, dessen Tür bei der kleinsten Bewegung ohrenbetäubend knarzte. Frau Elster hingegen thronte hoch oben in ihrem eleganten Nest. Und trotz all der Zankereien, der Vorwürfe und der kleinen Gemeinheiten siezten sie sich konsequent. Bis zur allerletzten Folge. Diese winzige, formelle Höflichkeit verlieh ihrem ständigen Streit etwas zutiefst Rührendes und Respektvolles.

Und kaum war ein Streit heftig entbrannt, war er meist auch schon wieder vergessen. Die Autoren, und vor allem die Puppenspieler, verstanden es meisterhaft, die Schwächen der beiden humorvoll zu entlarven. In einer der legendärsten Episoden entdeckt die gierige Frau Elster pralle, reife Erdbeeren im liebevoll gepflegten Garten von Herrn Fuchs. Der Fuchs, völlig versunken in seine Musik, die er über klobige Kopfhörer genießt, bekommt von seiner Umgebung nichts mit. Beiläufig, fast schon hinterhältig, fragt Frau Elster, ob sie sich vielleicht ein paar Beeren pflücken dürfe. Herr Fuchs, der absolut nichts verstanden hat, nickt geistesabwesend. Das Ergebnis ist absehbar: Am Ende hat die Elster den kompletten Garten radikal abgeerntet. Als Herr Fuchs die Bescherung entdeckt, kann er sich nicht einmal richtig aufregen – schließlich hatte er in seiner Unachtsamkeit ja selbst zugestimmt.

Es waren exakt solche kleinen, alltäglichen, fast schon menschlichen Streiche und Missgeschicke, die die Figuren so lebendig und greifbar machten. Ganz im Gegensatz zu den oft allzu braven, moralisch perfekten Bewohnern des übrigen Märchenwaldes wirkten Frau Elster und Herr Fuchs angenehm frech, egoistisch und herrlich widerspenstig. Genau das liebten die Kinder abgöttisch an ihnen. Sie waren nicht perfekt. Frau Elster kultivierte bis zum Schluss ihre manische Besessenheit für das Brettspiel Mühle. Eine kleine, sympathische Marotte, die sie trotz ihrer anstrengenden Neugier und grenzenlosen Eitelkeit tief menschlich wirken ließ.

Für Heinz Fülfe bedeutete diese enorme Popularität, über drei Jahrzehnte hinweg einer Figur Leben einzuhauchen, die sich jeglicher Schwarz-Weiß-Malerei entzog. Frau Elster war weder strahlend gut noch abgrundtief böse. Sie war eine Persönlichkeit mit massiven Ecken und Kanten, die es dennoch Woche für Woche schaffte, die Herzen der Zuschauer im Sturm zu erobern. Diese einzigartige Mischung aus Charme und Nervigkeit wurde zu Fülfes Lebenswerk. Eine Identität, die er noch viele Jahre weiter in sich tragen sollte, lange über das offizielle, bürokratische Ende seiner glanzvollen Fernsehkarriere hinaus.

Das Jahr 1989 markierte nicht nur für die gesamte DDR, sondern auch für Heinz Fülfe einen radikalen, historischen Einschnitt. Der allmächtige Deutsche Fernsehfunk versetzte den verdienten Künstler offiziell in den Ruhestand. Das Land befand sich im gesellschaftlichen Umbruch, alte Strukturen brachen weg, die Mauer fiel. Doch was genau bedeutet der Begriff „Ruhestand“ für einen Vollblutkünstler, der sein halbes Leben lang Rollen mit Leben gefüllt hat, die ursprünglich nie für ihn gedacht waren? Für Heinz Fülfe bedeutete dieses Wort offensichtlich rein gar nichts. Er dachte nicht im Traum daran, aufzuhören. Mit einem verschmitzten Schmunzeln soll er damals gesagt haben, er wolle weitermachen, bis ihm auch noch die allerletzte Feder von Frau Elster ausfalle.

Und er hielt sein Wort. Mit unbändiger Energie reiste er weiter quer durch die nun vereinigte Republik. Er stand nicht mehr in den großen, perfekt ausgeleuchteten Fernsehstudios, sondern in muffigen Schulaulen, in lauten Kindergärten und sogar bei Freiluftveranstaltungen in Zoos. Sein Publikum war treu, und es wuchs erstaunlicherweise noch weiter an. Die Faszination für seine Figuren kannte keine Grenzen mehr. Plötzlich fanden sich fanatische Anhänger sogar in Städten wie Wien, tief in Österreich. Einem Ort, der geographisch und politisch so weit von jedem Sendemast entfernt lag, der das Signal des DDR-Fernsehens jemals ausgestrahlt hatte. Die Kunst von Heinz Fülfe hatte den eisernen Vorhang nicht nur überlebt, sie hatte ihn pulverisiert.

Sein Sohn Andreas erinnert sich heute noch lebhaft und voller Rührung an Szenen, die sich nach diesen Auftritten mit schöner Regelmäßigkeit abspielten. Wenn Vater und Sohn, erschöpft von der Vorstellung, sich in irgendeinem Dorfgasthaus niederließen, um eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen, dauerte es nie lange. Noch bevor der Kellner auch nur die Suppe servieren konnte, standen bereits die ersten Kinder mit leuchtenden Augen am Tisch. In den kleinen Händen hielten sie hastig abgerissene Zettel und Stifte. Sie wollten ein Autogramm von dem Mann, der ihrer Kindheit eine Stimme gegeben hatte. Und Heinz Fülfe? Er wies nie jemanden ab. Er legte das Besteck beiseite und nahm sich für jedes einzelne Kind Zeit. Er unterschrieb, zeichnete kleine Skizzen und schenkte ihnen ein Lächeln.

Sein ehrgeiziger Plan war es, bis zu seinem 75. Lebensjahr weiterzuschreiben, weiterzumalen und weiter aufzutreten. Die Leidenschaft brannte lichterloh in ihm. Doch das Schicksal hatte andere, endgültigere Pläne. Am 14. Oktober des Jahres 1994 stand Heinz Fülfe im beschaulichen Zittau ein letztes Mal vor seinem geliebten Publikum auf der Bühne. Der Applaus war ohrenbetäubend, die Zuneigung spürbar. Niemand ahnte, dass es der Anfang vom Ende war. Nur drei Tage später, am 17. Oktober, folgte dann der tatsächlich allerletzte Auftritt seines Lebens. Ein Auftritt, der eine unglaubliche historische Symbolkraft besaß. Er fand in einer einfachen Grundschule in Wittenau statt – mitten im ehemaligen Westberlin. Derselbe Mann, dieselbe Figur, die einst den ideologischen Abendgruß der DDR geprägt hatten, standen nun auf der anderen Seite jener verhassten Grenze, die es offiziell längst nicht mehr gab. Es war der triumphale, versöhnliche Schlusspunkt einer unglaublichen Karriere.

Nur wenige Wochen nach diesem historischen Auftritt, am 5. Dezember 1994, trat Heinz Fülfe seinen letzten, stillen Weg an. Die Stimme von Taddeus Punkt und Frau Elster verstummte für immer. Doch was bleibt von einem Mann, der Jahrzehnte lang Millionen Menschen unterhalten hat? Es ist mehr als nur flüchtige Erinnerung. Die materiellen Zeugen seines Lebenswerks lassen sich noch heute besichtigen. Die kleine, unscheinbare Hundepuppe von jenem allerersten Fernsehabend im Studio Adlershof existiert noch immer. Sie trägt bis heute stolz ihren Namen: Struppi.

Jahrzehnte nach dem Tod seines Vaters traf Andreas Fülfe eine weitreichende Entscheidung. Er übergab die wertvollen Originalpuppen als Schenkung an das Stadtmuseum in Pirna. Seit diesem Tag gehören Struppi, Frau Elster, Flachs und Krümel zum festen, behüteten Bestand dieses Museums. Sie ruhen nun sicher hinter Glas, genau in jener Region, in der einst, in den kalten Mauern der Festung Königstein, alles begann. Es sind exakt jene ausdrucksstarken Gesichter, die einst jeden Abend in Millionen Wohnzimmer blickten und den Kindern Geborgenheit vermittelten.

Die Lebensgeschichte des Heinz Fülfe ist ein faszinierendes deutsches Märchen. Ein Mann kehrt traumatisiert und desillusioniert als Kriegsgefangener zurück. Er hat keine Bühne, keine Rolle, keinen Masterplan für sein Leben. Aus purer Not heraus übernimmt er später eine Figur, die eigentlich einem anderen Künstler gehörte, und prägt mit ihr eine der langlebigsten, erfolgreichsten und einflussreichsten Puppenserien der gesamten deutschen Fernsehgeschichte. Seine Stimme, sein Witz und seine Figuren erreichen bis heute Menschen weit über die politischen und geografischen Grenzen jenes Landes hinaus, das es längst nicht mehr gibt.

Vielleicht gehörst auch du zu den Millionen Menschen, die sich genau an diesen Abend erinnern. Du saßt im Pyjama vor dem riesigen, klobigen Röhrenfernseher, müde, aber gespannt, kurz vor dem Schlafengehen. Vielleicht war es der freundliche Taddeus Punkt, der dich mit seinem Zeichenstift in fantastische Welten entführte. Vielleicht war es die schnatternde Frau Elster, die dich zum Lachen brachte, weil sie schon wieder etwas Glänzendes entdeckt hatte, das ihr nicht gehörte. Oder es war eine ganz andere, vertraute Stimme aus dem Abendgruß, die bis heute tief in deiner Erinnerung weiterlebt, auch wenn dir der genaue Name im Moment der Hektik vielleicht nicht sofort einfällt.

Wir wollen es wissen! Schreib es uns gerne ausführlich in die Kommentare. Welche ikonische Figur aus deiner Kindheit hast du nie vergessen? Welches bestimmte Gesicht, welche Melodie oder welcher Satz taucht sofort vor deinem geistigen Auge auf, wenn du an deine eigenen Abende vor dem Schlafengehen zurückdenkst? Deine persönliche Erinnerung, dein Stück Geschichte, gehört genauso untrennbar zu diesem großen TV-Erbe wie die stummen Puppen, die heute friedlich im Museum in Pirna auf die Besucher warten. Teile deine Geschichte mit uns!

Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

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