„D’Artagnan für Arme!“ – Joachim Llambi lästert über Steffen Henslers neuen Schnauzer, tiefe Emotionen beim Lafer-Comeback und historische Pleite am Grill
Es gibt Fernsehshows, in denen fliegen nicht nur die Funken am Kochtopf, sondern auch die verbalen Pfeile, und es gibt Episoden, die von der ersten bis zur letzten Minute eine Achterbahnfahrt der Gefühle darstellen. Genau eine solche explosive, hochemotionale und zugleich urkomische Ausgabe von „Grill den Hensler“ flimmerte kürzlich über die Bildschirme. Von frechen Lästereien über den neuen, gewöhnungsbedürftigen Look von Starkoch Steffen Hensler über tiefe, tränenreiche Momente beim großen Comeback einer TV-Legende bis hin zu einer historischen Klatsche am Grill bot diese Sendung wirklich alles, was das hasserfüllte wie geliebte Trash- und Koch-TV-Herz begehrt.
Schon vor dem ersten Handgriff am Herd sorgte Steffen Hensler für den ultimativen Lacher des Abends. Der ehrgeizige Koch hatte in der Vorwoche gegen seinen Jungkoch Tony Sasa eine Wette verloren und musste als harte Konsequenz obenrum blank ziehen – beziehungsweise sich von seiner prächtigen Bartpracht verabschieden. Der Deal sah vor, dass der Vollbart restlos ab muss, lediglich ein kleiner horizontaler Reststreifen auf der Oberlippe durfte als kläglicher Überbleibsel überleben. Mit diesem neuen, äußerst fragwürdigen Design südlich seiner Nase präsentierte sich Hensler im Studio und schockierte damit sowohl das Publikum als auch das prominente Moderatoren- und Jurorenteam.

Moderatorin Laura Wontorra brauchte nach einem langanhaltenden Lachflash erst einmal eine Atempause, bevor sie überhaupt wieder sprechen konnte. Sie fühlte sich bei dem Anblick an eine spanische Telenovela oder den legendären Zorro erinnert. Doch Joachim Llambi, der bekannte, gewohnt scharfzüngige Juror, setzte noch einen drauf und höhnte gnadenlos über den Hamburger: „Das ist doch D’Artagnan für Arme!“ Als Verona Pooth – die zum zehnten Mal am Hensler-Grill Platz nahm – nach langer Überlegung ebenfalls zu einer Erkenntnis kam, rief sie laut ins Studio: „Jetzt habe ich’s! Du siehst aus wie Freddie Mercury!“ Wobei sie wohl eher den berühmten Queen-Sänger meinte, während Hensler den Bart im Nachhinein nur noch als optischen Unfall beschrieb, der wirkte, als habe er ihn mit schwarzer Schuhcreme nachgefärbt. Der Schnauzer sorgte für kollektive Heiterkeit, doch die eigentlichen Höhepunkte des Abends sollten ganz anderer Natur sein.
Neben all dem Humor lag nämlich auch eine spürbare, fast greifbare Melancholie in der Luft. Der Grund dafür war die lang ersehnte Rückkehr von Johann Lafer. Die geliebte TV-Kochlegende, die von vielen im ersten Moment nach ihrer harten gesundheitlichen Krise kaum wiedererkannt wurde, gab ein bewegendes Comeback am Grill. Im Mai hatte die Nachricht über seine Krebserkrankung die Öffentlichkeit zutiefst erschüttert. Während der kräftezehrenden Chemotherapie verlor Lafer etliche Kilogramm an Körpergewicht, dazu fielen ihm der charakteristische Schnauzer und das Kopfhaar aus. Doch nun stand er wieder da – als glücklicher Überlebender.
Schon vor dem ersten Grillgang erhob sich das gesamte Studio wie auf ein unsichtbares Signal hin. Eine tosende, minutenlange Standing Ovation des Publikums brandete auf. Sichtlich gerührt und mit Tränen in den Augen wandte sich Lafer an die Anwesenden: „Ich bin auf dem Weg der Besserung und sehr dankbar, dass die Menschen so hinter mir stehen.“ In diesem Moment glitzerte es feucht in so manchem Auge im Studio. Die Tränen flossen endgültig, als Kfz-Meister Holger Parsch von den „Autodoktoren“ erklärte, warum im Falle eines Grillsieges gegen Hensler bei der Vorspeise der Erlös an den Verein „Eisvogel“ gehen solle. Der Verein leistet unschätzbare Arbeit und betreut nicht nur an Krebs erkrankte Menschen, sondern kümmert sich rührend auch um deren Angehörige. Holger wusste genau, wovon er sprach: Als sein Sohn Cedric damals schwer erkrankt war, durchlebte die Familie die Hölle. Auch wenn der Sohn längst genesen ist, saß der Schmerz bei dem Kult-Handwerker noch immer tief.
Auch Laura Wontorra schluckte schwer an diesem Punkt, und als man bedachte, dass bei Johann Lafer selbst ein Lymphknotenkrebs diagnostiziert worden war, schienen die Emotionen im Studio überzukochen. Sportlich lief es für die Autodoktoren bei der Vorspeise allerdings alles andere als rund. Trotz einer selbstgebastelten, vermeintlich formidable Auspuffräucherungsanlage setzten Holger und sein Partner Hans-Jürgen Faul den Gang in den Sand. Doch Steffen Hensler bewies einmal mehr ein riesiges Herz. Unbürokratisch sprang er in die Bresche und gab seine hart erkämpfte Gangsiegprämie von 4.000 Euro kurzerhand an die Autodoktoren für den guten Zweck weiter.

Es sollte nicht die einzige großzügige Geste des Abends bleiben. Verona Pooth, die im Vorfeld mit Geschichten über ihre Vergangenheit Schlagzeilen gemacht hatte, kitzelte ebenfalls an den Tränendrüsen der Nation. Da ihr ein solches Familiendrama glücklicherweise erspart geblieben war, meinte sie mit belegter Stimme: „Ich bin so dankbar, dass ich zwei gesunde Kinder habe. Das ist im Leben das Wichtigste.“ Spontan und ohne zu zögern verkündete sie vor ihrem Kochgang: „Auch wenn ich verliere, ich spende 5.000 Euro!“
Und das Kochen selbst? Darüber könnte man aus gnädiger Barmherzigkeit fast den Mantel des Schweigens hüllen, denn Steffen Hensler dominierte den Abend in einer Art und Weise, die sprachlos machte. Er gewann schlichtweg jeden einzelnen Kochgang! Nach dem Impro-Gang unterlagen die Autodoktoren bei der Vorspeise mit 12:20 Punkten. Verona Pooth ging beim 13:24 in der Hauptspeise (Schuster woge mit Safranreis und Taboulé) ebenfalls baden. Doch den absoluten Vogel schoss im negativen Sinne die deutsche Bodybuilding-Ikone Markus Rühl ab.
Rühl erlebte bei seiner „Grill den Hensler“-Premiere ein kulinarisches Desaster sondergleichen. Sein Dessert – ein experimenteller Quarkauflauf mit Gojibeeren, karamellisierter Banane und Kirschen – schlug fehl. Die Juroren gaben dem Gericht auf beinahe einzigartige Weise jeweils nur einen einzigen Punkt! Alexander Hermann konstatierte absolute Einmaligkeit und meinte, die Zahl Eins sei in dem Gericht wohl das einzig Vorhandene gewesen. Jana Ina Zarrella fällte ein gnadenloses Urteil: „Das ist das Schlechteste, was ich hier je gegessen habe!“, tröstete ihn aber mit den Worten, dass er so zumindest unvergessen bleiben werde. Selbst Joachim Llambi konnte dem Teller nichts Schönes abgewinnen. Rühl nahm die 3:25-Klatsche erstaunlich mit Humor und konterte trocken: „Aber besser, Herr Lambi, als wenn ich getanzt hätte!“
Am Ende stand ein historisches Rekordergebnis auf der Anzeigetafel: Steffen Hensler deklassierte das Herausforderer-Team mit unglaublichen 87 zu 6 Punkten. Noch nie seit dem Sendestart im Jahr 2013 gab es einen derartig gigantischen Vorsprung und eine so niedrige Ausbeute eines Kochteams. Johann Lafer brachte es am Ende treffend auf den Punkt: „Wenn heute jemand wissen will, ob die Sendung was mit Kochen zu tun hatte – nein!“ Doch im Fernsehgeschäft zählt am Ende die Unterhaltung, und die war in dieser Folge grenzenlos. Nächste Woche dürfte es Steffen Hensler, der zuvor erst Stefan Raab eine Abfuhr erteilt hatte, gewiss nicht einfacher haben – dann wartet das große Koch-Coach-Special auf den ungeschlagenen Meister.